Marihuana an einen 16-Jährigen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.07.2015
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Wer Rauschgift an Minderjährige abgibt, begeht ein Verbrechen. Egal, wie groß die Menge der Drogen ist. "Denn so etwas", waren sich Richter und Staatsanwalt im Fall eines 23-Jährigen Sulzbach-Rosenbergers einig, "geht überhaupt nicht."

Die Verhandlung vor dem Amberger Schöffengericht fand vor den Augen einer Schulklasse statt. Sie war von relativ kurzer Dauer, weil der Angeklagte ein Geständnis ablegte und zugab, dass er einem 16-Jährigen aus Sulzbach-Rosenberg 2014 zwei Gramm Marihuana überließ. "Geschenkt oder verkauft?", wollte der Gerichtsvorsitzende Markus Sand wissen. Der Angeklagte ging von einer Schenkung aus. Sein minderjähriger Drogenkunde wollte 20 Euro dafür bezahlt haben.

Fahnder der Amberger Kripo hatten seinerzeit Wind von dem Deal bekommen. Sie setzten zur Hausdurchsuchung bei dem 23-Jährigen an, fanden Rauschgiftutensilien. Von einem Mann aus dem Umfeld hörten sie, dass es zuvor wiederholt zur grammweisen Abgabe von Marihuana an den Jugendlichen gekommen sei. Das aber wurde nun vor Gericht energisch bestritten und konnte auch nicht nachgewiesen werden. Wäre der Käufer erwachsen gewesen, hätte das Verfahren mit einem Strafbefehl geendet. Weil aber ein Minderjähriger als Kunde in die Akten kam, war vom Gesetz her ein Verbrechenstatbestand erfüllt. Von daher musste das Schöffengericht tätig werden.

Während der Verhandlung wurde offenkundig: Der wegen Drogendelikten vorbestrafte Angeklagte hatte sich, weil selbst rauschgiftabhängig, Anfang 2015 in eine geschlossene Therapie begeben. Sie wird er nun - so lautete ein Teil des Urteils - fortsetzen müssen.

Staatsanwalt Tobias Kinzler sprach von einer strafrechtlich sehr ins Gewicht fallenden Tat. Gleichwohl rechnete er dem 23-Jährigen das Geständnis mildernd an und empfahl den Richtern, den Verkauf von zwei Gramm Marihuana als sogenannten minderschweren Fall einzustufen.

Seine Forderung: "Sechs Monate Haft mit Bewährung und 150 gemeinnützige Arbeitsstunden." Eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe und die Auflage, unbezahlte Arbeit leisten zu müssen, hielt auch Verteidiger Werner Greißinger für angebracht.

Das Schöffengericht folgte nach kurzer Beratung dem Antrag des Staatsanwalts. Es unterstellte den Angeklagten für drei Jahre einem Bewährungshelfer und schrieb ihm ins Stammbuch, dass er sehr wohl über das Alter seines Marihuana-Abnehmers informiert gewesen sei.
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