Maxhütten-Krise gemeistert

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Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.10.2015
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Als der Niedergang der Maxhütte begann, befürchteten viele eine sterbende Stadt. Heute ist Sulzbach-Rosenberg lebendiger und fleißiger als jemals zuvor.

Die Maxhütte als Bild im Hintergrund an der Wand. Davor die Schautafel mit der aktuellen Arbeitslosenquote. Sie liegt mit 2,8 Prozent im Bezirk der Geschäftsstelle Sulzbach-Rosenberg im Oktober historisch niedrig. Die Situation im Mittleren Saal des roten Rathauses von Sulzbach-Rosenberg versinnbildlicht die Entwicklung der ganzen Region in den vergangenen 30 Jahren. Die Maxhütte, einst einziger großer Arbeitgeber für zeitweise über 6000 Menschen, ist inzwischen ein Teil der Geschichte.

Brennpunkt in Deutschland

"Es ist gelungen, die Krise zu bewältigen", lautet die Nachricht, die der Chef der Agentur für Arbeit Schwandorf, Joachim Ossmann, und Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Michael Göth (SPD) verkünden. Vor dem ersten Konkurs der Maxhütte lag die Arbeitslosenquote noch bei 11,8 Prozent. Durch die erste Pleite 1987 fielen in der Maxhütte mehr 4500 Jobs weg. Wie tiefgreifend dieses Ereignis war, zeigt laut Ossmann schon die Tatsache, dass es damals Unterstützungsleistungen aus dem Montanunion-Vertrag gab. Geld daraus flossen damals nur für die Arbeitsamtsbezirke Duisburg und eben Schwandorf, zu dem Sulzbach-Rosenberg gehört. Die zwei Insolvenzen der Maxhütte und schließlich die Schließung 2002 wirkten sich auch auf die Kaufkraft und somit Handwerk und Einzelhandel aus. Unter Strich waren laut Ossmann mehr als 6500 Jobs verloren.

Der Arbeitsmarkt hat sich erholt - auch vom Dämpfer durch die "Hartz-Regeln", durch die viele Sozialhilfeempfänger als Arbeitslose geführt wurden. Heute herrscht im Altlandkreis Sulzbach-Rosenberg quasi Vollbeschäftigung. "Das ist für uns sehr erfreulich", so Göth. Denn: "Es war keineswegs ausgemacht, dass diese Krise bewältigt wird", bekräftige Ossmann unter Verweis auf frühere Porzellan-Zentren in der Oberpfalz oder in Oberfranken.

Die gute Entwicklung sei vor allem auch auf die umfangreichen Maßnahmen zur Umstrukturierung zurück zu führen. In den vergangenen 25 Jahren hat Sulzbach-Rosenberg rund 73 Hektar als Industrie- und Gewerbeflächen ausgewiesen - das entspricht etwas mehr als 102 Fußballfeldern. Ein teures Engagement für die Kommune, die sich hoch verschuldete. 1993 ließ sich der Autoteile-Händler Stahlgruber mit einem Logistikzentrum nieder. Zur Zeit entsteht dort der siebte Bauabschnitt für rund 34 Millionen Euro. Ebenfalls in Sulzbach-Rosenberg ansässig: der Prägefolien-Spezialist Leonhard Kurz, der unter anderem Sicherheitsstreifen für Geld-Scheine herstellt. Geld findet sich auch im Stadtsäckel wieder: Göth freut sich über stetig steigende Einnahmen aus der Einkommens- und Gewerbesteuer.

Industrie ein Rückgrat

Ossmann lobte, dass mit einem Anteil von 50 Prozent bei den Beschäftigten vor allem der produzierende Sektor stark vertreten ist. Eine Ausnahmeerscheinung in Bayern, aber "ein Rückgrat für die Stärke dieser Region". Nach Angaben von Göth arbeiten derzeit in Sulzbach-Rosenberg wieder etwa so viele Menschen wie kurz vor der Schließung der Maxhütte. Deren Gelände bietet weiteres Potenzial. Rund 40 Hektar könnten dort ebenfalls als Gewerbegebiet ausgewiesen werden.
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