Meister Petz als Ballerina

Der Hof des Sulzbacher Schlosses bot die ideale Kulisse für das Konzert des Bayerischen Landesjugendorchesters. Für die Organisation zeichnete der Lions-Club Sulzbach-Rosenberg verantwortliche. Bild: bmr
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.08.2015
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111 Musiker umfasst das Bayerische Landesjugendorchester. Jeder einzelne von ihnen ist so gut auf seinem Instrument, dass er das strenge Auswahlverfahren bestanden hat. Mit ihrem Dirigenten Simon Gaudenz verwandelten sie den Schlosshof in einen Konzertsaal und schenkten den Musikliebhabern einen unvergessliches Erlebnis.

Die Schwüle lastete im Schlosshof und drohende Gewitterwolken standen am Abendhimmel - der ideale Rahmen für Modest Petrowitsch Mussorgskis "Eine Nacht auf dem kahlen Berge". Der Komponist malt hier mit Musik einen Hexensabbat, und den entfesselte das BLJO mit enormer Intensität. Prachtvoll war das tiefe Blech, nervös drängten die Streicher vorwärts, stark war das Schlagwerk. Aufgepeitscht wurden die Musiker von Simon Gaudenz, der schon beim Neujahrskonzert 2013 das Landesjugendorchester mit großem Erfolg leitete. Der Dirigent warf kaum einen Blick in seine Partitur, stets behielt er die Musiker im Auge. Er hielt den Kontakt mit ihnen, nahm sie gleichsam an der Hand und jagte sie dann wieder. Mit ausdrucksstarker Mimik und sprechenden Gesten leitete er sie durch das schwierige Stück.

Homogener Klang

Auch bei Ralph Vaughan Williams Tubakonzert beeindruckte das Orchester mit ausgewogenem, homogenem Klang. Die jungen Musiker begleiteten jetzt den Tubasolisten Andreas Martin Hofmeir. So beweglich und nuanciert wie hier hört man die Tuba selten. Natürlich spielte Hofmeir auch die rauhen, dunklen Töne, die den Zuhörern vertraut waren, aber auch hohe, bei denen die Tuba zart zu singen schien.

Der Solist entlockte seinem Instrument sanfte, sehnsüchtige Klänge von lyrischer Gefühlstiefe und schöner Dynamik. Im "Finale - Rondo alla Tedesca" entfaltete er wilde Energie. Die Tuba schien jetzt dem Orchester voranzupreschen. Aber auch bei diesen Kraftausbrüchen blieben die Triller perfekt.

Nach stürmischem Applaus rechnete Hofmeir, der auch als Kabarettist erfolgreich ist, dem Publikum vor, dass ein Tubist im Orchester ein viel höheres Einkommen pro gespielter Note erzielt als ein Geiger. Der Musiker erläuterte kurz sein Instrument. Die Tuba wurde erst 1835 erfunden, und Williams' Konzert ist das erste mit einem Solotubisten. In der Zeit nach 1955 entstanden allerdings viele avantgardistische Solostücke. Deshalb spielte der Tubist als Zugabe lieber keine Originalkomposition, sondern Georg Philipp Telemanns "Flötenphantasie". Die Tuba war wie ein Bär, der sich als Ballerina versucht. Unglaublich, aber es ging. Leichtfüßig tanzte Meister Petz die Pirouetten des kapriziösen Stücks.

"Eine Alpensinfonie" von Richard Strauss, das ist Programmmusik par excellence. Man kann das Werk als den musikalischen Bericht über eine Wanderung durchs Gebirge verstehen, aber auch als sehr bildliche Darstellung des Lebensweges. Düster und geheimnisvoll war der Beginn, sehr schön die räumliche Wirkung, als fünf Hornisten in "Eintritt in den Wald" am Ausgang des Hofes spielten. Das Orchester rief sie, und schließlich reihten sie sich ein.

Keine Eitelkeiten

Sehr gut besetzt waren die solistischen Stellen. Mühelos erwuchsen die Soli aus dem Vollklang des Orchesters und wurden vom ganzen Klangkörper getragen. Da gab es keine Eitelkeiten, keine Gefallsucht. Alle waren geeint im Dienst an der Musik.

Die ganze lange Sinfonie hindurch hielten die Instrumentalisten die Spannung. Schön gestalteten sie die drastischen Stimmungswechsel, und vor allem die leise Passagen spielten sie intensiv. Melancholisch waren die letzten Teile.Es war dem BLJO gelungen, Strauss' nicht unumstrittenes Werk expressiv zu interpretieren, ohne je in den Kitsch abzugleiten.

Kräftig und sehr ausdauernd klatschte das begeisterte Publikum und spendete allen Solisten noch einen Extra-Beifall.
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