Menschen gehen vor Euro

Vor allem junge Menschen haben inzwischen fast keine Chance mehr auf ein Normalarbeitsverhältnis.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.05.2015
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Es sind zwar keine tausend Arbeitsplätze wie damals bei der Maxhütte, sondern nur gut 100, aber sie sind genau so wichtig: Die Belegschaft der Hosenfabrik Hiltl ging auf die Straße und machte auf ihre Lage aufmerksam. Die Firma soll verkauft werden, die teils langjährig Beschäftigten fürchten um ihre Existenz.

"Wir wollen ein Zeichen setzen!", hatte die IG Metall als zuständige Gewerkschaft gemeinsam mit Belegschaft und Betriebsrat erklärt. In der Asamstraße sammelten sich Beschäftigte, Gewerkschafter, Stadträte, Angehörige und Sympathisanten zum vorbildlich organisierten Demonstrationszug. Mit Transparenten marschierten sie hinauf ins Capitol zur Kundgebung.

Dort freute sich Fachsekretärin Sabrina Feige über den Besuch vieler Prominenter und über Abordnungen von Rohrwerk, Grammer und Novem. Sie schilderte kurz die Sachlage: Nach dem Tod der Besitzerin solle die Firma laut Testament verkauft werden. Über die Verhandlungen erfahre die Belegschaft absolut gar nichts.

Bürgermeister Michael Göth betonte die Wichtigkeit der Arbeitsplätze in der Traditionsfirma für die Stadt, dann ergriff der 1. IGM-Bevollmächtigte Horst Ott das Wort: "Die Auseinandersetzung um die MH hat die Zukunft gesichert!", erinnerte er. Nur wegen der zahlreichen Proteste sei viel Geld hierher geflossen.

Ott kritisierte scharf, wie Testamentsvollstrecker und Geschäftsführer Markus Schock mit der Situation umgehe. "Eigentum verpflichtet, nicht nur gegenüber den Erben", meinte er. Schließlich gehe es nicht nur um Geld, sondern auch um eine Menge Menschen. Die Informationspolitik sei unverantwortlich, "so geht man nicht mit Menschen um, das ist das niedrigste Niveau, das ich kenne", rief Ott der Belegschaft zu. Die IG Metall werde sich mit ihren 16 000 Mitgliedern hinter sie stellen. "Das ist auch unser Kampf!"

Betriebsratsvorsitzender Werner Sperber appellierte an die zahlreichen Erben, beim Verkauf an die Menschen zu denken und nicht nur den letzten Euro herauszupressen. (Seite 3, Angemerkt)
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