Menschen und Länder verbunden

"Kavpersaz" ernteten für ihre Darbietungen viel Applaus. Die Formation unterhielt im Seidel-Saal mit türkischen, kurdischen und armenischen Volksweisen. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.10.2014
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ISIS, Naher Osten, Kobane, kein Tag vergeht, ohne dass über Krisen, Terror und Kämpfe berichtet wird, dass Menschen verfolgt und getötet werden. Da tut es gut, auch einmal andere Töne aus diesen Ländern zu hören. Mit Musik aus Anatolien wurde die "Türkische Woche" eröffnet.

Der Name ist schwierig für deutsche Zungen, und die Musik geht auch nicht so einfach ins Ohr. "Kavpersaz" heißt die Formation, die im Seidel-Saal mit türkischen, kurdischen und armenischen Volksweisen unterhielt. Der Abend war der Auftakt der "Türkischen Woche", die vom 10. bis 19. Oktober in Sulzbach-Rosenberg läuft.

Auch die Instrumente von Kavpersaz sind ungewöhnlich: Hirtenflöte, Kurdische Rahmentrommel, Lauten und natürlich die Schlaginstrumente, die das rhythmische Gerüst ihrer Musik bilden. Aus ihren Instrumenten ist auch ihr Ensemblename entstanden: KAV steht für die Flöte "Kaval", die sowohl auf dem Balkan als auch in Anatolien geblasen wird, PER steht ganz allgemein für "Percussion" und SAZ bezeichnet eine Gruppe von Langhalslauten, die vom Balkan bis in den Orient gespielt werden.

Die Vier, die diese Instrumente virtuos beherrschen, sind türkischer und kurdischer Abstammung, schöpfen aus dem riesigen Potenzial anatolischer Musiktradition, spüren die Vielfalt türkischer, kurdischer und armenischer Volksweisen auf und scheuen sich auch nicht, ein paar europäische Stücke auf ihre Weise zu spielen. Ihre Musik wandert von Mesopotamien über Anatolien bis Europa, vernetzt dabei die Welten, die in der tagespolitischen Realität oft genug über Kreuz liegen. So verbinden sie Länder und Menschen, erzählen in ihren Weisen voll melodischer Schönheit und rhythmischer Vielfalt von deren Leben und Denken und ihrer Geschichte.

Weit entfernt ist diese Musik von der Bauchtanz- und Dönerwelt, die gemeinhin mit der Türkei verbunden wird. Yasin Boyraz mit seiner Hirtenflöte, Unmut Yilmaz mit den Lauten, der Drummer Fethi Ak und Baris Boyraz mit Gitarre und Trommel haben ihre Virtuosität in ganz Europa auf die Bühne getragen, 2010 waren sie Preisträger beim Wettbewerb "Creole NRW". Das Publikum im Seidel-Saal, anfangs voller Erwartung, versteht die Sprache dieser Musik und ist begeistert. Ob armenisches Volkslied mit kleiner Hirtenflöte geblasen, ob ein kurdischer Trauertanz, ob Melodien aus Ostanatolien oder auch aus Istanbul, Kavpersaz überwindet musikalisch Grenzen, spürt Altes auf und lässt Neues daraus entstehen.

Ein Atemwunder

Unmut Yilmaz, der mit neun Jahren nach Deutschland kam und heute mit seiner Familie in Köln lebt, spielt die Lauten Baglama und Saz und macht den sympathischen Moderator. Als Atemwunder erweist sich Yasin Boyraz, der "das schwarze Schaf" mehrere Minuten lang mit seiner Hirtenflöte ruft, ohne dazwischen Luft holen zu müssen.

Ganz in seinem Element ist Fethi Ak, der für seine Percussion-Soli viel Beifall erntet. Mit Applaus gedankt wird auch Baris Boyraz, für seine Gitarre- und Trommeleinsätze trotz eines verbundenen Fingers.
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