Michael Fitz spielt Solokonzert zum Thema "Erfolg"
Enttäuschung als Grundtendenz

Eine von insgesamt fünf Gitarren und einen schon ziemlich ramponierten Hocker, mehr braucht Michael Fitz nicht, um mit seinen Liedern und Texten das Publikum zu begeistern. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.12.2014
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Einer, der Schauspieler ist und Lieder komponiert, der CDs aufnimmt, Lesungen hält und immer wieder Tourneen durchzieht, so einer hat Erfolg. Dass so einer aber auch Ängste, Zweifel und Fragen hat, wer gibt das gerne zu? Michael Fitz schon. In seinem Solokonzertprogramm "Erfolg" gab er einen tiefen Einblick.

Kein Wunder, dass der Seidel-Saal schon vor Wochen ausverkauft war: Michael Fitz hat einen Namen. Mit seinem neuen Programm tourt er durch Deutschland, singt, spielt Gitarre, plaudert, nimmt sein Publikum mit auf eine spannende Berg- und Talfahrt durch die Höhen und Niederungen menschlicher, insbesondere männlicher Gefühle.

Fünf Gitarren, einen schon ziemlich ramponierter Hocker und ein kleines Sortiment an Technik, mehr braucht Fitz nicht für seinen Auftritt. Alles andere ist in ihm. Hoch emotional schildert er seine offenbar nicht sehr glückliche Kindheit, den Mangel an Wertschätzung und Anerkennung durch den Vater. "Du siagst mi net, hob alles dafür tan", singt er, gibt aber zu, dass sie beide heute ganz gut miteinander auskämen.

"A dumma Hund"

Auch mit dem anderen Geschlecht hatte er so seine Probleme. "Wüllst du mi no? Wüll i di no oder is des Feia aus?", fragt er, empfindet sich beziehungsmäßig "auf am Schleidasitz" und meint resigniert: "I bin bloß a dumma Hund und drah mi auf da Stell".

Schonungslos offen sind seine Texte, sprechen von Frust, Angst, Zweifeln und Melancholie. Er singt in seiner Münchener Mundart, auch hochdeutsch.

Seine Aussprache, das wirkungsvolle "Nebenbei-Geplauder" verraten den Profi-Schauspieler, wenn auch absolut nichts mehr an den Tatort-Kommissar erinnert. Fitz präsentiert sich als kreativer Musiker und Liedermacher, seine Rhythmen bewegen sich zwischen Blues, Rock und Folk, er kann poetisch und lyrisch von den zwischenmenschlichen Beziehungen erzählen und mit seinem Gitarrenspiel untermalen. Grundtendenz all seiner Lieder ist Frust, sind Enttäuschungen und Verletzungen, sind Erwartungen der anderen, die nicht erfüllt werden können.

Beim Programm-Thema "Erfolg" geißelt Michael Fitz mit starker Musik die Gier, das Nicht-genug-kriegen: "Du spannst alle für dich ein, den Erfolg willst du für dich allein". Still und bewegend dagegen die Ballade von der Zeit, die viel zu schnell vergeht, bis es heißt "koa Zeit nimma", wenn der Tod an die Tür klopft.

Eigene Gefühle

Schwere und nachdenkliche Texte wie "Hunger" oder "Ich geh nicht aufs Eis", witzige wie der vom "Deifi", der ihm auf der Schulter sitzt oder die Beschreibung vom selbst ernannten Lebensberater - in all seinen Liedern schildert Fitz seine eigenen Gefühle. Seine unterschiedlichen Gitarren, die er souverän beherrscht, liefern die richtige Stimmung dazu. Der melancholisch-nachdenkliche Grundton des Abends wird gemildert durch die launige Moderation und erst recht bei den von den Gästen stürmisch geforderten Zugaben. Fitz schildert den verflixten Tag vor dem angekündigten Weltuntergang im Jahr 2012 und das Drama mit den "120 Kilo Blau", die für seine malende Frau geliefert worden sind.

Das Publikum im Seidel-Saal darf mitsingen, Michael Fitz, jetzt gelöst und entspannt, legt einen "Absacker" drauf, verkauft erfolgreich seine "Tonträger" und lädt seine Fan-Gemeinde zu einem gemeinsamen Auftritt der Tatort-Kommissare nach München ein.
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