Milchmarkt am Kippen

Ein Bild aus dem "heißen" Milchbauern-Sommer 2009. Wenn der Milchpreis weiter sinkt, könnten sich solche Szenen in der Region wiederholen. Archivbild: wl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.11.2014
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Landwirte, die ihre Milch in Gullys schütten, brennende Strohballen: Die Bauern-Proteste vor fünf Jahren sind vielen noch in Erinnerung. Jetzt fallen die Preise erneut und Milchviehhalter Helmut Graf sieht wieder dunkle Wolken aufziehen.

Milchpreise im Sinkflug: 36 Cent pro Liter überwies die Regensburger Domspitz-Molkerei im Oktober an Helmut Graf. "Ich gehe davon aus, dass die für November nur noch 34 Cent zahlen", sagt der Milchbauer aus Lengenfeld. Die kritische Schwelle für ihn und seine Berufskollegen sei längst unterschritten, betont er. Die Höfe zehren an der Substanz.

Geschlossenheit fehlt

"Wenn am 1. April nächsten Jahres die Quotenregelung wegfällt, dann wird es richtig schlimm", erklärt Graf, der Kreisvorsitzender des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM) ist. "Dann darf jeder so viel Milch liefern, wie er mag. Und der Markt wird überschwemmt." Optimistische Annahmen gingen von einem Zuwachs der Milchmenge in Europa um fünf Prozent aus, realistisch seien aber eher zehn. Ein Anstieg, der nach Grafs Überzeugung für viele Höfe in der Region das Aus bedeuten wird.

Die Quote allein sei allerdings nicht schuld an der prekären Situation. Das Grundübel sei, dass die Landwirte beim Preispoker mit dem Lebensmittelhandel nach wie vor nicht geschlossen auftreten. "Die Molkereien haben extrem schlecht verhandelt", schimpft Graf. "Das kommt davon, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht." Darum wirbt der BDM-Kreisvorsitzende eindringlich um die Vorschläge, die sein Verband vertritt: Bündelung aller Milcherzeuger zu einer starken Vereinigung, europaweite Begrenzung der Milchmenge. "Wären diese Vorschläge schon nach den Protesten 2009 umgesetzt worden, sähe es heute besser aus."

Die Landwirte sind sich über Ursache und Lösung des Problems weiterhin uneins. Der Bayerische Bauernverband (BBV) vertritt die Ansicht, dass sich der Wegfall der Quote relativ gering und nur vorübergehend auf den Milchpreis auswirken wird. "Da kommen immer mehrere Faktoren zusammen", zeigt sich der Beisitzer im BBV-Kreisvorstand, Gerhard Gradl, überzeugt. Gradl hält in Reusch bei Kastl 90 Milchkühe und sieht den Bodensatz beim Preisverfall schon erreicht. "Ich glaube, dass es heuer nicht mehr viel weiter nach unten geht", sagt er. Für den Sinkflug sei nicht nur die Überproduktion, sondern beispielsweise auch der Ukraine-Konflikt verantwortlich.

Der Preis könne im nächsten Jahr genau so gut wieder anziehen, wenn - wie erwartet - der Käsekonsum wieder steigt. Ob das Bauernsterben weitergeht? "Wir müssen abwarten", sagt Gradl.
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