Milchpreis im Sinkflug

Ihr Symbol, die Kuh "Faironika", hatten die Leute vom BDM-Kreisteam zum Pressegespräch mitgebracht (von links): Dominik Winter, Manfred Albersdörfer, Helmut Graf, Hans Foldenauer, Sprecher des BDM-Bundesvorstandes, und Jürgen Pirner. Bild: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.12.2014
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"Die Bauern sind von den Molkereien schon angeschrieben worden, dass sie in Zukunft weniger für ihre Milch kriegen", erzählt Helmut Graf. Wie tief der Preis sinken kann, sagt Hans Foldenauer voraus: auf 25 Cent. Das würde vielen Landwirten die finanzielle Grundlage kappen.

Helmut Graf ist Kreisvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Hans Foldenauer ist Sprecher des BDM-Bundesvorstandes. Der Milchbauer und Betriebswirt aus Irsee im Allgäu errechnet die 25 Cent aus internationalen Marktmechanismen. Da stehen die Zeichen auf Krise, auf heftiger Krise, noch schlimmer als 2009, und da gingen die Milchbauern auf die Barrikaden.

Bis März 2014 haben sie noch 41 Cent fürs Kilo Milch bekommen, sagt Graf. "Ein Preis, mit dem man umgehen konnte", auch wenn die errechneten Produktionskosten eigentlich eher in der Größenordnung von 50 Cent lägen. Danach ging's aber runter auf aktuell etwa 30 Cent.

Und ausgerechnet jetzt steht in der EU die Abschaffung der Milchquote zum 1. April 2015 an. "Da wird der Mengendruck noch einmal zunehmen", ist Foldenauer überzeugt, auch wenn heuer in der EU schon fünf Prozent mehr Milch als 2013 produziert worden seien. Die Nachfrage steige hier aber nicht mehr.

Keine sanfte Landung

Hans Foldenauer verfällt in breitesten Allgäuer Dialekt, als er die Folgen schildert. "Der Chinese säuft die Milch weg", habe man in seiner Heimat von Verbandsfunktionären, Politikern und der Molkereiwirtschaft über die Zeit nach der Milchquote immer wieder zu hören bekommen. "Soft Landing" war das Stichwort. Dass also die Nachfrage von außerhalb der EU den Milchpreis trotz Mengensteigerung nicht zu sehr abstürzen lassen werde. Von den BDM-Leuten glaubt das keiner mehr. "Das wird ein Soft Bauchlanding", prophezeit Jürgen Pirner vom Kreisteam.

Dass die Russland-Sanktionen die Nachfrage so stark gedrückt hätten, ist für Helmut Graf eine Ausrede: "Die haben zuletzt nur noch ein paar tausend Tonnen abgenommen."

Die Lösung, die der BDM möchte, schaut anders aus: "Flexible Mengensteuerung" ist hier schon lange das Zauberwort. "Die Politik soll ein Sicherheitsnetz schaffen, in dem sie während der Krise die Produktion deckeln kann", formuliert Hans Foldenauer die Forderung für die aktuelle Situation. Dass man Instrumente schaffen sollte, um auf EU-Ebene auf schwere Marktverwerfungen reagieren zu können, hätten die Agrarminister der Länder ja schon beschlossen. Die Datensammlung dazu gebe es in Brüssel bereits, ebenso den Beschluss für eine "Marktverantwortungsabgabe" - eine Art Strafzahlung für notorische Dauer-Überlieferer. Aber umgesetzt sei davon noch nichts. "Die Politik arbeitet im Schneckentempo", sagt Foldenauer. "Und das Marktrisiko trägt immer und allein der Bauer."

Für Schulen mit Schoko

Die großen Hoffnungen auf den Export sind beim BDM-Kreisteam nicht sonderlich populär. Hier setzt man lieber auf den heimischen Markt, etwa bei der "Fairen Milch" des BDM, die nach Vertriebsproblemen jetzt wieder stärker beworben wird. Seit Oktober sei sie im Online-Supermarkt "allyouneed" (einer Post-Tochter) zu beziehen, sagt Helmut Graf. Kleinere Einzelhändler könnten jetzt geringere Mengen ordern, und es gebe sie nun auch als Schokomilch, für die man gerne Schulen als Abnehmer gewinnen möchte.

Die Schokomilch ist doppelt fair, findet Hans Foldenauer: Da sei nicht nur 45 Cent Erlös pro Kilo Milch für den Landwirt einkalkuliert, sondern auch der Kakao komme aus fairem Handel.

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Weiterführende Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/milchquote
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