Militaria-Experte Gernot Bock spricht im Stadtmuseum über die Entwicklung verschiedener Patronen
Vom Podewils-Gewehr zum Hinterlader

Mit seinem umfangreichen Fachwissen war Gernot Bock (rechts) bestens für die Fragen der zahlreichen Besucher gewappnet. Bild: cox
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.11.2014
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Während die Musketiere im 16. und 17. Jahrhundert noch Holzröhrchen mit abgemessenen Pulverladungen an ihrem Bandelier hängen hatten, brachte die Erfindung der Papierpatrone einen ersten Schritt, Pulverladung und Projektil zu vereinigen.

Militaria-Experte Gernot Bock referierte im Stadtmuseum zum Thema "Von der Papierpatrone zur Einwegpatrone von 1821 bis 1888" über die Entwicklung von Munition und Handfeuerwaffen.

Aus Schweden

Anhand von Bildern zeigte der Referent die Vorläufer der modernen Metallpatronen, die Papierpatrone. Sie kam seit dem Ende des 17. Jahrhunderts zum Einsatz. Die älteste Papierpatrone stammt aus dem Jahr 1640 und kam aus Schweden. Söldner des schwedischen Königs Gustav Adolf brachten sie im Dreißigjährigen Krieg mit nach Deutschland.

Wie an verschiedenen Objekten sichtbar wurde, enthielt die längliche verklebte Papierhülse das Schießpulver und die Bleikugel. Diese erste Generation der Papierpatrone diente nur der Bereitstellung einer abgemessenen Pulvermenge und des Projektils und wurde nur bei Vorderladern verwendet. "Das Zusammenspiel und die Weiterentwicklung von Munition und Handfeuerwaffen sind von jeher untrennbar miteinander verbunden", folgerte Bock. Es sei aber auch vom Fortschritt der Technik und dem Erfindergeist der Menschen abhängig gewesen, diese Entwicklung weiter voranzutreiben zu können.

Verschiedene Systeme

Militaria-Experte Bock nahm in seinen weiteren Ausführungen die Perkussionsschlosssysteme (Vorderlader) genauer unter die Lupe, angefangen von der Zündhütchenherstellung (18./19. Jh.), über die Funktion des Consol'schen Gewehres, des Ovalgeschoßes (1835), des Wild'schen Büchsensystems (1842), des Kammersystems Delvigne (1844), des Dornsystems Thouvenin (1846/47) sowie des Expansionssystems Minié von 1849.

Einen waffentechnischen Durchbruch brachten die Hinterladersysteme, bestätigte der Referent. Johann Nikolaus Dreyse entwickelte 1845 eine Zündnadelpatrone, in Verbindung mit der Weiterentwicklung des preußischen Zündnadelgewehres.

Diese Einheitspapierpatrone mit Schwarzpulverladung war eine der ersten serienmäßig hergestellten Patronen. Sie wurde als Ganzes geladen, im Gegensatz zur Munition für Vorderlader und zeigte europaweit in beeindruckender Weise die Vorzüge des Zündnadelgewehrs, der ersten im Feld verwendungsfähigen Handfeuerwaffe. Die Vorteile dieses Systems waren die Möglichkeit des Nachladens und die schnelle Schussfolge. Es verminderte die Verluste in den Schützenreihen erheblich.

Weitere Entwicklung

Der versierte Waffenexperte berichtete weiter über die ständig fortschreitende Entwicklung der Patronen, ihrer Treffsicherheit und Durchschlagskraft. Er erklärte die Funktion der Zündnadelsysteme Schaumburg Lippe, der Papierpatronen ohne Treibspiegel sowie der Systeme Karl und Lindner (1863 - 1868).

Erwähnenswert fand Gernot Bock eine Gewehrkonstruktion des königlich-bayerischen Generalleutnants Philipp Freiherr von Podewils im Jahr 1859. Der gebürtige Amberger und Direktor der Amberger Gewehrfabrik Amberg konstruierte das "Podewils-Gewehr" und wandelte dieses 1867 zum Hinterlader um. Dieses Infanterie-Gewehr wurde in den Kriegen gegen Frankreich eingesetzt.
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