Missbrauch: Fast acht Jahre Haft

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.10.2014
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Für das Kind schien er wohl eine Art "Vaterersatz" gewesen zu sein. Doch der 40-Jährige nutzte dies aus, missbrauchte das damals elfjährige Mädchen. Dafür muss er sieben Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Was Staatsanwältin und Verteidiger in ihren Plädoyers zu sagen hatten, durfte die Öffentlichkeit nicht hören. Sie wurde ausgeschlossen. Das geschah am Ende eines bis dahin mit Ausnahme einer per Video eingespielten Zeugenvernehmung öffentlichen Prozesses und wurde von der Ersten Strafkammer des Landgerichts mit dem Opferschutz begründet. In der zweitägigen Verhandlung saß ein heute 40-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs auf der Anklagebank.

Nach einem sogenannten Rechtsgespräch, bei dem ihm im Fall eines Geständnisses eine Haftstrafe zwischen siebeneinhalb und acht Jahren zugesichert worden war (AZ berichtete), hatte der Beschuldigte über seine Verteidiger Jürgen Mühl und Bernhard Weber einräumen lassen, dass er sich in mehreren Dutzend Fällen an einem zu Beginn der Verbrechensserie elf Jahre alten Mädchen sexuell verging. Das Kind wohnte in der Nachbarschaft, es sah in dem heute 40-Jährigen wohl eine Art "Vaterersatz". Damit war für die Strafkammer eine Basis geschaffen, auf der sie nahezu alle geladenen Zeugen nicht mehr brauchte. Auch dem Opfer aus einem Ort im Landkreis blieb eine Vernehmung im Gerichtssaal erspart. Allerdings wurde die Videoaufnahme einer ermittlungsrichterlichen Befragung gezeigt. Während dieser knappen Stunde war, wie in solchen Fällen üblich, die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

3000 Euro Schmerzensgeld

Der zweite Prozesstag begann mit der Übergabe von 3000 Euro Schmerzensgeld. Verteidiger Bernhard Weber überreichte die Summe an Anwalt Stephan Meier, der die Interessen des Opfers als Nebenkläger vertrat. Die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber diktierte diese Geldübergabe ins Protokoll, sie nannte dabei auch den Namen der Geschädigten. Dies geschah öffentlich. Zuvor war auch schon der Wohnort des Kindes mehrfach gefallen. Wenige Minuten später schlossen sich die Türen. Die Inhalte der für den gesamten Verfahrensablauf wichtigen Plädoyers blieben nur den Prozessbeteiligten vorbehalten, Zuhörer durften nicht dabei sein. Die Vorsitzende begründete diese völlig überraschend kommende Entscheidung mit einem neuen Gesetz, das noch intensiveren Opferschutz zum Ziel habe.

Der 40-Jährige wurde wegen 72 erwiesenen Missbrauchsfällen zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Mann hatte während der Verhandlung seine Bereitschaft zu einer Therapie bekundet. Ein therapierter Täter stelle nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ein geringeres Gefährdungspotenzial dar, hieß es sinngemäß in der Urteilsbegründung.
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