Mit Bio-Resten auf Achse

Rund 17 Jahre hat der Chrysler-Dodge schon auf dem Buckel. Vor etwa einem Jahr kam er aus dem Nürnberger Raum zu Fraunhofer Umsicht nach Sulzbach-Rosenberg. Auf dem Pick-up werden die Rohstoffe zum Institut in den ehemaligen Maxhütte-Gebäuden gebracht, hier zu Pyro-Diesel umgewandelt und schließlich als Treibstoff für den Sechszylinder mit US-Wurzeln verwendet. Bild: Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.05.2015
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Fest montiert auf der Ladefläche ist der 17 Liter fassende Tank für Pyro-Diesel.

Die Zusage von einem deutschen Automobilhersteller liegt vor, ein italienischer wartet noch damit. Mit beiden Herstellern steht Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg vor einer Zusammenarbeit für die beabsichtigte Markteinführung eines neu entwickelten Treibstoffs aus Biomasse. Diesen füllen Umsicht-Leute nächste Woche bei der EUBCE in Wien in den Tank.

Der bronze-gold-metallic lackierte Dodge-Pick-up schnurrt mit seinem Sechszylinder, als wäre er mit nichts anderem gefüttert, als mit jenem Nass, mit dem Rudolf Diesel einst 1893 seine ersten Aggregate zum Laufen gebracht hat. Dessen Selbstzünder hat inzwischen über 120 Jahre auf dem Buckel und geht noch immer millionenfach an den Start. Leicht möglich, dass nun, nach 20 Jahren Forschungsarbeit, unter anderem in Sulzbach-Rosenberg, für eine kleine Revolution im Tank sorgen: Biomasse lautet das viel bemühte Zauberwort. Jetzt soll der Bekanntheitsgrad gesteigert werden. Und am Beispiel des 17 Jahre alten Dodge mit seinen 5,9 Litern Hubraum, aus denen er 160 KW (218 PS) Leistung schöpft, wird ersichtlich, dass die Theorie der Praxis Platz macht: "Wir setzen zu dem von uns verwendeten Biodiesel 20 Prozent des neuen Treibstoffs zu", erklärt Susanne Lettner. Sie ist bei Fraunhofer Umsicht Leiterin für Marketing und Werbung und bereitet sich intensiv auf die nächste Woche vor, genauer auf die Zeit vom 1. bis 4. Juni in Wien.

Sie selbst wird ab Freitag in der österreichischen Metropole sein und den auf Hochglanz gewienerten Dodge auf einer der wichtigsten Biomasse-Ausstellungen der Welt an den beiden Fraunhofer-Umsicht-Ständen in eine publikumsträchtige Position rollen lassen. "Für uns ist das die ganz wichtige Leitmesse", unterstreicht Lettner.

"Made in Oberpfalz"

Erwartet werden rund 1800 Besucher, allesamt aus der Branche, wissenschaftlich Kollegen ebenso wie mögliche künftige Abnehmer des neuen Treibstoffs "Made in Oberpfalz". Zielgerichtet habe man sich in den ehemaligen Maxhütte-Gebäuden auf diesen Auftritt vorbereitet, um den sogenannten Pyro-Diesel im Einsatz präsentieren zu können.

"Das ganze Team fiebert dem entgegen", versichert die Sprecherin. Zugleich hoffen die Beteiligten, voran Institutsleiter Professor Andreas Hornung, in Wien auf weitere Kooperationen und darauf, den inzwischen serienreifen Sprit tatsächlich verkaufen zu können. Erste Ansätze dazu gibt es schon vor der Messe: Das Auto eines deutschen Fahrzeugherstellers soll sich in Sulzbach-Rosenberg im Alltags-Praxis-Test bewähren.

Keine Abstriche

Ganz so weit ist man zwischen Fraunhofer Umsicht und einem italienischen Automobilhersteller noch nicht, aber: "Die Gespräche in Italien in den zurückliegenden Wochen stimmen uns optimistisch." Ein roter Renner mit springendem Pferd auf der Haube, auf Trab gebracht mit Bio-Reststoffen aus der Herzogstadt? Utopisch erscheint das nicht mehr.

Bei der Leistung brauche man keine Abstriche zu machen, erklärt Werkstattleiter Bernhard Hirsch. Und auch am Verbrauch von etwa 16 Litern pro hundert Kilometer - Geländeeinsatz inklusive - ändere sich nichts, egal, ob Pyro-Diesel zugesetzt wird oder nicht. Dass der neu konzipierte Treibstoff eines Tages günstiger zu haben sein wird, darauf setzt der Fachmann: "Wenn die ersten größeren Anlagen laufen, die schon in Bau sind."
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