Mit französischer Leichtigkeit

Ein Spaßchor in der Schlosskapelle? Ja, auch das passte sehr gut zusammen. Zur Unterstützung des Stadtmuseums herrschte Wohlklang in den alten Mauern. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.12.2014
11
0

"Rorate Coeli: Tauet, Ihr Himmel" sangen unisono die Männerstimmen des Spaßchors von der Empore der kleinen Schlosskapelle St. Nikolaus. Der gregorianische Gesang schien aus der Erbauungszeit der Kapelle vor 1200 Jahren in die Gegenwart hinüber zu schweben.

Die Klänge verzauberten das Publikum bei der traditionellen Adventsmusik des Fördervereins des Stadtmuseums. Helmut Heinl warb eingangs um Unterstützung für die Einrichtung: "Wir sind in einer Umbruchzeit. Mit neuen Konzepten wird das Stadtmuseum wieder in die Mitte der Stadt gerückt. Nehmen Sie an den Veranstaltungen dort teil!"

A-capella-Sätze

In fünf- und sechsstimmigen barocken A-capella-Sätzen lieferte der Spaßchor das geforderte präzise Timing. "Sehr ausdrucksvoll" hat der spätromantische Komponist Max Jobst seinen Satz für "Morgenstern der finstren Nacht" überschrieben. Der Spaßchor zeigte bei diesem harmonisch nicht ganz einfachen Stück durch inniges Piano und zurückhaltendes Forte, dass er sich auch mit kleinen Chorwerken ernsthaft auseinandersetzt. Max Regers op. 138 "Und unserer lieben Frauen" war ein Höhepunkt: Wie Reger hier durch rasche Tonartwechsel, schrille Dissonanzen und plötzliche Auflösung in reinen Wohlklang Christi Leiden und die Erlösung der Menschheit in Musik fasst, ist genial. Man muss es natürlich auch singen können, und der Spaßchor kann es.

Feiner Vortrag

Durch den feinen, sinnlichen Vortrag einiger Weihnachtslieder aus verschiedenen europäischen Ländern, der an die Akustik der kleinen Kapelle optimal angepasst war, gelang es dem Ensemble wieder in Erinnerung zu rufen, warum wir Weihnachten feiern. Dr. Michaela Beha spielte auf der Querflöte, begleitet vom Orgelpositiv, mehrere Stücke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Dr. Beha zauberte einen weichen Flötenton, der fast an die damals übliche Traversflöte erinnerte.

Gabriel Fauré war ein älterer Zeitgenosse Regers, aber er komponierte mit französischer Leichtigkeit statt deutschem Ernst. In der Berceuse op. 16 und der Pavane op. 50 produzierte Beha mit ihrer Flöte geradezu impressionistische Klangbilder. Das Publikum war hingerissen. Einen heiteren Abschluss bot der Chor mit John Rutters "Jesus Child", das Dekanatskantor Gerd Hennecke auf dem Orgelpositiv begleitete. Die Weihnachtsgeschichte wird hier in flottem Tempo, mit jazzigen Rythmen und Harmonien sowie einem kleinen Augenzwinkern erzählt.

Mit diesem Endpunkt des Programms machte der Spaßchor seinem Namen alle Ehre, ehe das Publikum mit dem gemeinsam gesungenen "Es kommt ein Schiff geladen" in die staade Zeit entlassen wurde.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.