Mit Vorurteilen aufgeräumt

Die Ereignisse in Vorra, wo künftige Flüchtlingsherbergen brannten, machten Michael Kernl (links) und Hans Lauterbach nachdenklich. Ihr und der Einsatzwille vieler Gleichgesinnter ist aber weiter ungebrochen. Bild: phl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.12.2014
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Weder ein Plus an Kriminalität noch eine Bedrohung für das Abendland könne man auf Flüchtlinge zurückführen, das sei statistisch belegbar. Im Gegensatz zu Pegida, glänzt "Sulzbach-Rosenberg hilft" mit vielen Aktionen, die Notleidenden helfen. Und es ist noch einiges geplant.

Zum dritten Mal hat "Sulzbach-Rosenberg hilft" zur großen Versammlung in die Hängematte eingeladen. Der Saal war wie bei den letzten Treffen voll besetzt. Die Initiatoren Hans Lauterbach und Michael Kernl informierten über den Stand der Arbeit und griffen aktuelle Themen wie Pegida und die Vorkommnisse in Vorra auf.

Hetze von Rechts

Vorra sei ein erschreckendes Beispiel, wie sich die Hetze von Rechts in Taten entwickeln könne. Diesmal waren es unbewohnte Häuser. Die Vergangenheit habe jedoch gezeigt, dass die Täter hinter solchen Brandstiftungen auch nicht davor zurückschrecken würden, Menschen in Gefahr zu bringen. Lauterbach erinnerte an Rostock-Lichtenhagen. Aus aktuellem Anlass kam dann auch die Pegida-Bewegung zur Sprache. Die selbst ernannte Volksbewegung bediene vor allem Vorurteile und vollkommen wirre Themen, aufgekocht mit Populismus am äußerst rechten Rand. Lauterbach erläuterte das am konkreten Beispiel Kriminalität. Pegida behaupte, Migration und vor allem Flüchtlinge trieben die Kriminalitätsstatistik in die Höhe. Dies sei jedoch mit Zahlen klar widerlegbar.

Auch um große Unterkünfte herum sei kein signifikanter Anstieg relevanter Delikte feststellbar, Ausländer seien nicht krimineller als alle anderen. Außerdem seien in der Statistik für Ausländerkriminalität auch Delikte erfasst, die zum Beispiel von Touristen oder über das Internet aus dem Ausland begangen werden. Ein weiterer Grund, die Thematik nicht künstlich hoch zu kochen. Auch die Angst vor einer Islamisierung Deutschlands ließ Lauterbach so nicht stehen. Aktuell seien fünf Prozent der in Deutschland lebenden Menschen dem Islam zuzuordnen. Laut aktuellen Prognosen werde sich dieser Anteil bis zum Jahr 2030 auf sieben Prozent erhöhen. Von einer Islamisierung könne also nicht ernsthaft die Rede sein. Zumal nur ein sehr geringer Anteil der Muslime in Deutschland extremistischen Bewegungen zugeordnet werden könne. Lauterbach zitierte mit Blick auf Pegida einen Kommentar aus Facebook: "Angst vor etwas, das nicht da ist, lässt man therapieren und nicht demonstrieren."

Konkrete Erfolge

"Sulzbach-Rosenberg hilft" hingegen verwies auf konkrete Erfolge. Man habe beispielsweise einer Familie, die aus Afghanistan geflohen ist, beim Umzug geholfen. Die Familie sei jetzt unendlich glücklich. Fahrräder für Flüchtlinge wurden organisiert. Und das Thema Sprachbarrieren werde auch aktiv angegangen. Bereits vier Sprachkurse seien hier am Laufen, in denen Flüchtlinge Kenntnisse der deutschen Sprache lernen.

Die Hängematte hatte sich für die unbegleiteten jungen Flüchtlinge engagiert und eine Plattenparty veranstaltet. Auch von Dritten erfahre man viel Unterstützung. Lauterbach bedankte sich nochmals beim katholischen Frauenbund Rosenberg für die Spende von 300 Euro. (Angemerkt)
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