Mitbewerber zieht den Stecker

Unser Anliegen gilt alleine dem Klimaschutz und der Energiewende
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.07.2015
3
0

Die schöne, heile Solarstrom-Welt gibt es halt auch nur in der Werbung. In erster Linie geht es um einen hart umkämpften Markt. Das bekommt nun die jüngste Initiative des Landkreises zu spüren.

(zm) Wer die Homepage derzeit aufruft, hat Pech: "Die Seite wird im Moment überarbeitet." Der bunte Flyer mit einem Grußwort des freundlich lächelnden Landrats ist angeblich eingestampft worden, und Richard Reisinger die gute Laune womöglich vergangen. Sein Appell, "lassen Sie sich begeistern", verhallt. Die vom Landkreis aufgelegte Photovoltaik-Eigenverbrauchs-Initiative wurde kurzfristig vom Netz genommen.

"Bananenrepublik"

Nach einer Intervention des in Schwarzenfeld, Landkreis Schwandorf, ansässigen Unternehmens Suntec hat das Wirtschaftsministerium in seiner Eigenschaft als Landeskartellbehörde festgestellt, dass es "das Projekt, wie es im Internet dargestellt wurde, für kartellrechtlich problematisch" hält. Josef Meier, der für das Unternehmen aus dem Nachbarlandkreis spricht, formuliert es deutlich drastischer. Mit dem Wort "Bananenrepublik" ist er schnell und nicht nur einmal bei der Sache. Meier erklärt wortreich auf der einen Seite, "die Initiative ist sehr zu begrüßen", fügt aber im gleichen Atemzug an, dass dieses Projekt der drei Klimaschutzmanager im Landkreis eine "eindeutig illegale" Preisabsprache darstelle. Die erst kürzlich im Ensdorfer Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) angesiedelte und zudem von der AOVE mitgetragene Eigenverbrauchs-Initiative hat damit geworben, als "Landkreisangebot" für 8990 Euro eine entsprechende Anlage mit der Leistung von 5,1 Kilowatt Peak (kWp) "schlüsselfertig" zu installieren.

Voraussetzung sei unter anderem die Inanspruchnahme von im Landkreis ansässigen Vertragspartnern. Meier sieht deshalb Suntec und viele andere Unternehmen und Handwerksbetriebe von dieser Initiative ausgegrenzt, obwohl sie unter Umständen ein günstigeres Angebot machen könnten. "Das ist ein guter, aber kein sensationeller Preis", sagt er. Außerdem prangert er an, keine Möglichkeit bekommen zu haben, sich als Unternehmen aus der Region in dieses Projekt gleichfalls einzubringen. Das bestreitet die hiesige Landkreis-Initiative und legt dar, dass der in Hahnbach ansässige Vertriebspartner von Suntec "zu einem Beratungsgespräch" in die AOVE-Geschäftstelle gekommen sei und später nach einem Telefonat mit der Klimaschutzkoordinatorin Katharina List "die Teilnahmeunterlagen persönlich zugesendet" bekommen habe. Für Meier ändert das nichts an seinen Vorwürfen.

"Ein Vorzeige-Projekt"

Er beharrt: "Es liegen eindeutig illegale Preisabsprachen vor, das ist Fakt, die dementsprechenden Abmahnungen der Behörde (Landeskartellbehörde, Anm. d. Red.) sind unterwegs." Wenn auch mit derart scharfen Geschützen aufgefahren wird, so wirft die Initiative beileibe die Flinte nicht ins Korn. "Unser Anliegen gilt alleine dem Klimaschutz und der Energiewende", erklärt List und bleibt dabei, dass hier "ein Vorzeige-Projekt" am Entstehen sei.

"Daher haben wir größtes Interesse daran, diese Initiative weiterzuführen - juristisch korrekt selbstverständlich." Deshalb würden die von Meier im Namen von Suntec erhobenen Vorwürfe "sorgfältig geprüft" und nötigenfalls korrigiert.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.