Mörder huscht durchs Wirtshaus

Sein fünftes Lesungs-Jubiläum zelebrierte Schriftsteller Horst Eckert mit großem Publikum im Traditionsgasthaus Landkutsche. Bild: aks
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
21.04.2015
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Ohne Spannung und Unterhaltung kommt nach Horst Eckerts Empfinden kein guter Kriminalroman aus. Wie präzise und geschmeidig der Schriftsteller beides aufzubauen versteht, bewies seine Lesung aus dem neuesten, 13. Thriller "Schattenboxer".

Bereits zum fünften Mal gastierte Eckert auf Einladung der Buchhandlung Volkert in der Herzogstadt. Um diesem "kleinen Jubiläum" einen markanten Rahmen zu verleihen, verließ man gewohnte Bahnen und zwängte die vielen bekennenden wie zukünftigen Leseratten in das Traditionswirtshaus Landkutsche.

Locker vom (Bar-)hocker

Eine in der Tat ungewöhnliche Kulisse für den mittlerweile viel gerühmten und dekorierten Autor. Nachdem der Tresen den Herausforderungen als Sitzgelegenheit für die kurzweilige Thriller-Kostprobe nicht standzuhalten schien, schnappte sich Eckert einen Barhocker - und fing an zu plaudern.

Er erzählte, was ihn bewogen hatte, seinen "Schwarzlicht"-Kommissar Vincent Che Veih in ein zweites Rennen gegen finstere Machenschaften zu schicken und warum sich der reale Mord an Treuhandchef Detlef Karsten Rohwedder in Düsseldorf als "wundervolle Einladung" entpuppte, "dort anzuknüpfen, wo die ermittelten Fakten zu Ende sind". Konsequenterweise bildete Eckerts Mord-Version wie im Buch auch den Prolog der Lesung, bevor er Veihs Tatortbesichtigung auf einem Düsseldorfer Friedhof begleitete. Von der auf dem Grab einer Selbstmörderin abgelegten Leiche einer jungen Frau, ging es wieder zurück zu Rohwedder alias Winneken. Um dem Unterhaltungselement gebührend Tribut zu zollen, streute Eckert uch Humoriges aus Veihs Privatleben mit junger Journalistenfreundin und deren Sohn ein.

Komplexe Geschichten

Allein die vielschichtigen Leseproben ließen erkennen, warum erzählerische Kleinformate - wie etwa Drehbücher Eckert - nicht genügen: Er braucht Raum, denn "Krimi kann alles erzählen, was Literatur erzählen kann". Komplexe Geschichten um die Abgründe des menschlichen Daseins sind sein Metier, das er geschliffen beherrscht in Text wie Wort. Die kuschelige Atmosphäre der Landkutsche schluckte allerdings einiges von der Hochspannung und Grausigkeit, die den "Schattenboxer" ausmachen. Und natürlich huschte auch der Mörder unerkannt durchs imaginäre Bild der Zuhörer, die Eckert wie immer an einer verkaufsfördernden, weil spannenden Stelle des Buchs in den geselligen Teil des Abends entließ.

Das vom Vorleser ebenfalls gerühmte, "tolle Ambiente" lockerte schnell die Zungen des Publikums. Insbesondere das Prozedere des Ausdenkens und Schreibens interessierte die Gäste. Als glänzender Unterhalter geizte Eckert nicht bei seinen Antworten, erzählte von den Zetteln, die zu Karteikarten und schließlich zu Handlungssträngen werden und berichtete auch von den Anfängen seiner Schriftstellerkarriere. Hätte sich in seiner Weihnachtsfeiertagslektüre 1993 nicht schlecht gemachte Unterhaltung befunden, wäre der Impuls, es doch selber einmal zu versuchen, womöglich nie entstanden. Nach den ersten Erfolgen wäre wiederum fast Schluss gewesen. Dass es glücklicherweise doch anders kam, verdanken seine Fans der "süßen Laudatio" bei der Verleihung des "Marlowe-Preises" der Raymond-Chandler-Gesellschaft, verriet Eckert.

Nicht viel Zeit

Damit den Zuhörern der spannende Stoff nicht ausgeht, wenn sie alle 13 Eckerts in- und auswendig kennen, knüpfte er auf Wunsch an seine frühere Rezensenten-Tätigkeit an und bescherte unter anderem Dominique Manotti, James Ellroy und Norbert Horst Aufmerksamkeit. Allzu viel Zeit wird dafür aber wohl nicht bleiben, sprudeln doch in Eckerts Kopf schon die Ideen zum nächsten, mit Sicherheit wieder aufregenden Thriller.
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