Moos klopft an die Himmelstür

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.12.2014
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Als am Ende unzählige funkensprühende Wunderkerzen an bunten Luftballons in den Abendhimmel aufstiegen, machte sich ein bisschen Wehmut breit: Es war der letzte Sternenzauber, den Wasserwacht und Schwimmschule Aqua Vitalis im Kümmersbrucker Ortsteil Moos inszeniert haben.

Eigentlich heißt das ergreifende Spektakel Bayerische Weihnacht, der Sternenzauber setzt dabei "nur" den wirklich atemberaubenden Schlusspunkt. Zweifellos eine der schönsten Adventsfeiern, die es im Landkreis gibt. Oder besser: gegeben hat. Denn Bernhard Fleischmann, der Vorsitzende der Wasserwacht Vilstal-Kümmersbruck, überraschte die große Gästeschar am Samstagabend mit der Ankündigung, dass diese Auflage die letzte sei.

Ein Raunen ging durchs Publikum - doch Fleischmann hatte noch einen tröstlichen Hinweis parat: "Ich kann euch versprechen, wir werden etwas Neues machen." Mehr ließ er sich nicht entlocken, nur so viel: "Ich denke, es wird euch gefallen."

Weihnachtsfeier mal anders

Vor 15 Jahren hatten die Kümmersbrucker Schwimmsportler aus den beiden Vereinen beschlossen, ihre zuvor ganz klassische gemeinsame Weihnachtsfeier künftig anders zu gestalten. Nach draußen verlegt, wurde sie ein echter "Geheimtipp" im vorweihnachtlichen Veranstaltungskalender, der nicht nur die eigenen Mitglieder, sondern auch eine wachsende Schar von externen Gästen in ihren Bann zog.

Das war auch am Samstag wieder so. Große, vor allem aber auch kleine Teilnehmer genossen die kurze Winterwanderung im Schein von Fackeln und Laternen vom Haidweiher nach Moos. Dort warteten im urig-gemütlichen Vierseithof der Familie Auer schon Glühwein, Lebkuchen und Bratwurstsemmeln auf die Besucher, die dann ein ganz besonderes Krippenspiel auf das bevorstehende Fest einstimmte.

Ludwig Thomas "Heilige Nacht" diente als Vorlage. Die Verantwortlichen haben daraus eine eigene Version erarbeitet - volksnah, im Dialekt, wie er "söimoal" gesprochen wurde, aber auch ganz bewusst gesellschaftskritisch. Dafür sorgte nicht nur der mit einem Lacher quittierte Hinweis auf die in Kümmersbruck vieldiskutierte Hallenbad-Erweiterung, die auch Wasserwacht und Schwimmschule zur Herbergssuche gezwungen hat, sondern vor allem die Nähe zu einer der großen gesellschaftlichen Debatten: Die "Macher" hatten dabei zwar ursprünglich eher die allgemeine Asylpolitik im Blick - bekamen aber ungewollt durch die Brandanschläge auf die geplanten Flüchtlingsunterkünfte im mittelfränkischen Vorra einen fast tagesaktuellen Bezug.

Krippenspiel ganz aktuell

Auch in ihrem Spiel ging es um Vorbehalte gegenüber Fremden: Die, so ereiferte sich der Großvater, würden "immer mehra": "Wia de ozogn san. Und verstehea doasd es a ned - hoffentlich sans bald wieda weg." Der Sepp vom Stammtisch hatte daran freilich seine Zweifel: "Wennsd dene an kloana Finga gibst, nehmas de ganze Hand." Soll sich doch der Bürgermeister drum kümmern. Doch der musste, obwohl anwesend, glücklicherweise nicht tätig werden, weil sich im Mooser Bethlehem trotzdem noch ein paar arme, aber mitfühlende Seelen fanden, die Maria und Josef aufnahmen.

Und so wurde im Stall zu Moos zum letzten Mal das Jesuskind geboren. "Das war heut' am schönsten", freute sich Fleischmann. Das Publikum sah das offenbar genauso, wie der langanhaltende Applaus vermuten lässt.

Ganz still wurde es dann beim finalen Sternenzauber. Als die funkelnden Wunderkerzen in den Nachthimmel aufstiegen und dabei eine ergreifende Version von "Knocking on heaven's door" erklang, entfaltete dieser Vorabend des dritten Advents seinen ganz besonderen Zauber. Gut möglich, dass die Mooser Sterne tatsächlich an die Himmelstür geklopft haben.

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Weitere Bildern im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/adventszauber2014
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