Nachbarschaftshilfe in Neumarkt könnte Vorbild für Sulzbach-Rosenberg sein
Menschen, die Zeit verschenken

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.06.2015
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"Was nichts kostet, taugt nichts" sagt der Volksmund. Er hat nicht immer recht, weil ehrenamtliche Arbeit zum Beispiel sehr wertvoll ist. Schier unbezahlbar ist der "Akt der Nächstenliebe", über den bei der Frauen-Union informiert wurde: die Nachbarschaftshilfe.

Karin Larsen-Lion aus Pyrbaum ist Anwältin, Gemeinderätin und kämpft wie eine Löwin, wenn es um BENidO geht, das "Bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz". Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Nachbarschaftshilfe-Organisation, die sie vor 18 Jahren gegründet hat. Inzwischen existieren zahlreiche Ableger.

Niedrige Schwelle

Durch Vermittlung der in Neumarkt arbeitenden FU-Vorsitzenden Nicole Selendt kam Karin Larsen-Lion zur Sulzbach-Rosenberger Frauen-Union ins Gasthaus "Sieben Quellen" in Breitenbrunn. "Nachbarschaftshilfe nimmt niemandem die Butter vom Brot, sondern ist eine niederschwellige Anlaufstelle für Bürger in Not", stellte die Referentin gleich zu Anfang klar.

Es gehe zum Beispiel um die Begleitung zu Arztterminen, zu Gottesdiensten, zum Friedhof oder zu Behörden. Die Helfer übernehmen kleinere Haushalts- oder Einkaufsdienste, achten auf Häuser, wenn die Bewohner nicht da sind, oder betätigen sich als Babysitter.

Die 25 Mithelfer ihrer Organisation "schenken Zeit", erläuterte Larsen-Lion. Für Fahrdienste bekämen sie pro Kilometer 30 Cent. Voraussetzung für ihre Arbeit seien Flexibilität, Verschwiegenheit, Teamfähigkeit und natürlich Zeit. Für die Leitung dieser "sozialen Feuerwehr" sei Herzblut nötig; die Fähigkeit, Netzwerke aufzubauen, aber auch Neid und Kritik zu ertragen. Als unabdingbar erachtet sie eine Trägerschaft, Versicherungsschutz für die ehrenamtlichen Helfer sowie die Unterstützung und Anerkennung durch die Gemeinde.

"Laut und selbstbewusst auftreten" müsse die Nachbarschaftshilfe, solle sich zum Start durch die Medien ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen, riet die kampferprobte Juristin. "Traut euch einfach. Es geht um den Menschen, die Nächstenliebe", rief sie ihrem Zuhörerkreis abschließend zu und bot für einen möglichen Start der Nachbarschaftshilfe in Sulzbach-Rosenberg ihre Mithilfe an.

Ein mögliches Fundament

"Das steht und fällt mit der oder dem, der den Hut aufhat", zeigte 2. Bürgermeister Günter Koller in der anschließenden Fragerunde die Problematik auf, jemanden zu finden, der so eine Organisation gründet und leitet. Der Besuchsdienst St. Marien könnte möglicherweise ein Fundament für einen weiteren Ausbau sein.

Unter der Regie von Stadträtin Irmgard Reisima-Renner leisten dort rund 25 katholische und evangelische Mitarbeiterinnen seit Jahren ehrenamtlich Besuchs- und Fahrdienste oder entlasten Angehörige, egal welcher Konfession. "Verstärkung könnten wir gebrauchen", war der Kommentar der Stadträtin dazu. Unterstützung sagte ihr CSU-Vorsitzender Dr. Patrick Fröhlich zu.
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