Nachts muss das Licht brennen

Sozialpädagoge Jürgen Fischer zusammen mit den jugendlichen Flüchtlingen beim Kickern. Bild: ksb
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.07.2015
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Eine Einkaufstüte mit ein paar Klamotten zum wechseln - mehr brachten die zwölf jungen Männer nicht mit. Vor gut einem Jahr kamen sie als sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ihre Integration macht erkennbare Fortschritte.

Sie kommen aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Nigeria, Syrien und dem Senegal. Auf ihrer Flucht nahmen die 16- und 17-Jährigen Gefahren für Leib und Leben auf sich, um Krieg und Folter zu entgehen. Das Ernst-Naegelsbach-Haus (ENH) bot den teilweise stark traumatisierten Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit. Heimleiter Stefan Reither arbeitet zusammen mit seinem Team tagtäglich daran, ihnen den Start in ein Leben mit Perspektive zu ermöglichen.

Mitte August vergangenen Jahres kamen die vorerst in Deutschland nur geduldeten Flüchtlinge in die Herzogstadt. Nachdem sie den "ersten Kulturschock" überwunden hatten, lebten sich die jungen Männer nach und nach ein, erzählt Jürgen Fischer, der sich mit seinen Kollegen um die Jugendlichen kümmert.

Um die Sprachbarriere möglichst schnell abzubauen, stiegen die Heranwachsenden in einen Deutschkurs bei Kolping ein. Der TuS Rosenberg bot ihnen die Gelegenheit, mit Gleichaltrigen Fußball spielen. "Wir wollten so das Miteinander von Beginn an fördern, aber auch einen strukturierten Tagesablauf schaffen", sagt der Sozialpädagoge.

"Bei gemeinsamen Aktivitäten wirkten die Jugendlichen nach außen oft recht unbeschwert. Und dennoch sind die persönlichen Geschichten bewegend, teilweise erschütternd", stellt Heimleiter Stefan Reither fest. Dass einschneidende Erlebnisse Traumata hinterlassen haben, zeigte sich unter anderem daran, dass viele anfangs nur bei Licht und offenen Türen, andere sogar nur mit Medikamenten nachts zur Ruhe fanden.

Im Lauf des vergangenen Jahres habe sich jedoch viel getan. Während die Jugendlichen ihre grundsätzlichen Bedürfnisse anfangs nur mit Händen und Füßen ausdrücken konnten, sprechen sie mittlerweile ganz gut Deutsch, meint Jürgen Fischer. Acht der zwölf jungen Männer absolvieren derzeit ein Berufsintegrationsjahr. Sie werden dort gezielt gefördert und bekommen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die ihnen das Erlernen eines Berufs erleichtern sollen. Die Jugendlichen werden in der Wichernstraße von pädagogischen Fachkräften ein Stück ihres Weges begleitet.

Nach Sulzbach-Rosenberg wird es künftig auch in Amberg Wohngruppen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen geben, die vom ENH betreut werden. Die Erste davon eröffnet bereits in wenigen Tagen; eine weitere wird im Laufe des Sommers dazu kommen.
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