"Näher am Herzen geht's nicht"

Der Oberpfälzer Dialekt ist das Markenzeichen der Amberger Band Los Dos y Compañeros. Don Macson, alias Walter Tröster (vorne mit den ausgebreiteten Händen), schreibt die Texte. Bild: Hartl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.09.2015
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Das Gemisch aus Oberpfälzer Dialekt und lateinamerikanischen Rhythmen ist hochexplosiv: Mit Titeln wie "Da hostas" oder "Wou hanna döi?" bringt die Amberger Band Los Dos y Compañeros ihr Publikum in ganz Deutschland in Wallung. Ein Interview zum Stellenwert der Mundart - nicht nur auf der Bühne.

Don Macson nennt sich der Mann, der für die bayerische Latino-Truppe die Texte schreibt: Bei einem Kuba-Besuch Anfang der 90er Jahre entdeckte Walter Tröster (56) aus Hirschau seine Liebe zu lateinamerikanischen Rhythmen. Und er stellte fest, dass sich die spanischen Texte oft wie Oberpfälzer Mundart anhören. "Das Sprachbild ist ganz ähnlich", sagt der Musiker im Interview.

Salsa und Zwiefacher, das ist dann doch ein Unterschied, oder?

Tröster: Von der Musik her natürlich. Aber bei der Sprache sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt.

Wie meinen Sie das?

Tröster: Ich kann mir schier nicht vorstellen, wie man einen lateinamerikanischen Rhythmus mit einem hochdeutschen Text versehen könnte. Beim Dialekt ist das ganz was anderes. Da kann ich mit zwei, drei Sätzen treffend ausdrücken, wofür ich im Hochdeutschen einen ganzen Aufsatz schreiben müsste.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Tröster: Da gäbe es so viele. Wichtig ist ja vor allem der Takt. Wenn der Oberpfälzer sagt "Des darad i dou. Dou schaust eitz mal zou", dann schwingt da bereits der Salsa-Rhythmus mit.

Wer euch nicht kennt, der könnte wirklich meinen, ihr singt Spanisch.

Tröster: Da geht es nicht nur dem hiesigen Publikum so, sondern auch Zuhörern, deren Muttersprache Spanisch ist. Ein Venezoelaner hat sich mal erkundigt, welchen ihm unbekannten spanischen Dialekt wir da singen.

Wenn Sie einen neuen Text für Ihre Band schreiben, wie gehen Sie da vor?

Tröster: Die meisten Songs, die wir spielen, sind ja gecovert. Das heißt, ich höre eine Nummer und denke mir dann aus, welche Geschichte passen würde. Der Rhythmus ist dabei das wichtigste. Sperrige Wörter passen da nicht rein. Dass ich meine Mundart verwende, ist für mich das natürlichste auf der Welt. Dialekt ist eben eine geerdete Sprache. Näher am Herzen geht's nicht. Hochdeutsch ist nur ein Konstrukt.

Teilen Sie die Sorge, dass die Mundart immer mehr in Vergessenheit gerät?

Tröster:Ich glaube nicht, dass der Dialekt verschwindet. Dafür steckt er viel zu tief in uns Oberpfälzern drin. Aber es ist wichtig, ihn zu pflegen. Wenn heute vor allem junge Leute selbstbewusst Mundart sprechen, dann ist das auch ein Statement gegen das Verschwinden von Identitäten in dieser globalisierten Welt, wo sich vieles angleicht. Die Leute brauchen eine Basis im Herzen, auch was die Sprache angeht.

Los Dos y Compañeros arbeiten in den nächsten Wochen und Monaten an einer neuen CD. Im nächsten Jahr feiert die Band ihr 20-jähriges Bestehen und tritt aus diesem Anlass am Samstag, 9. April, wieder im Amberger Stadttheater auf.
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