Neubau quasi unumgänglich

Der dünne Beton ist abgebröckelt, die Eisenbewehrung rostet vor sich hin: An der Rosenberger Jahnschul-Turnhalle gingen fünf Jahrzehnte nicht spurlos vorüber. Bilder: Gebhardt (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.02.2015
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Eine Außenseite mit massiven Schäden, mögliche Gefahr durch herabfallende Bretter im Inneren und eine maximale Schneelast auf dem Dach von nur 45 Kilo pro Quadratmeter: Die Turnhalle der Jahnschule ist ein Problemfall. Ein Neubau wäre wohl die beste Lösung - gibt der strapazierte Haushalt das her?

Eine Machbarkeitsstudie hatte der Stadtrat in Auftrag gegeben, und das Architekten-Duo Martin Kunert und Bernd Fischer stellte die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Vorher allerdings kam auf Antrag der CSU ein Punkt aus der nichtöffentlichen Sitzung dazu: Die Beauftragung der Landesgewerbeanstalt mit einem zweiten Gutachten zur Statik der Halle.

Die Jahnschule in Rosenberg mit elf Klassen und 240 Kindern verfügt mit der Turnhalle aus den 60er Jahren über einen echten "Oldie". Stahlbetonscheiben als Nord-Süd-Giebelseiten und ein Pultdach mit Fachwerkträgern kennzeichnen die 25 mal 13 Meter große Halle. Ein Sanitärtrakt und ein Geräteraum sind angebaut.

Aus energetischer Sicht, das stellten die Architekten gleich klar, gebe es enormen Bedarf: Eine neue Halle käme mit der Hälfte der Heizkosten aus. Bei der Statik habe die Landesgewerbeanstalt (LGA) schon 2006 Schäden an den Achsen der Holzbinder, an der Deckenunterverkleidung und der Bewehrung der Außenfassade festgestellt. 2014 dann diagnostizierte ein Ingenieurbüro "gravierende Schäden an den frei bewitterten Außenwänden und Korrosion wegen zu geringer Betondeckung". Vermutlich seien auch die Fachwerkbinder der Decke für heutige Last-Annahmen zu gering ausgelegt. "Keine oder sehr geringe Sicherheitsreserven" stünden den veränderten Schneelasten gegenüber. Schon bei Erreichen von 60 Prozent der ursprünglich berechneten Schneelasten von 75 Kilo pro Quadratmeter, also bei 45 Kilo sollte die Halle gesperrt oder eine Dachräumung veranlasst werden.

Korrosion in der Eisenbewehrung, abplatzender Beton, fehlende Barrierefreiheit - das alles und noch mehr veranlasste die Architekten zu einer klaren Stellungnahme: "Die Standsicherheit des Gebäudes ist nur durch erhebliche Sanierungsmaßnahmen dauerhaft zu gewährleisten. Aus wirtschaftlicher Sicht kann die statische Sanierung des Gebäudes aufgrund der großen Schäden und des notwendigen Finanzierungsaufwandes nicht empfohlen werden!"

"Unterricht nicht möglich"

Auch die Schulleitung hat eine eindeutige Meinung zur Situation: "Die Erteilung eines ordnungsgemäßen, lehrplanbezogenen Sportunterrichts ist und war bis dato wegen der fehlenden Größe nicht möglich. Im Vergleich zu anderen Sporthallen stellt das eine klare Benachteiligung bzw. Beeinträchtigung des Sportunterrichts dar." Lösung wäre eine normgerechte Einfeld-Halle mit 27 mal 15 Metern.

Fazit der Studie: Die Halle entspricht nicht dem Raumbedarf für diese Grundschule, sie ist in sehr schlechtem energetischen Zustand. Wegen des Tragwerks und der Anbauten ist sie nicht wirtschaftlich zu einer Einfeld-Halle erweiterbar. Barrierefreiheit besteht ebenfalls nicht, und es wären diverse Brandschutzmaßnahmen erforderlich.

1,5 Millionen Eigenanteil

Was ist zu tun? Martin Kunert und Bernd Fischer legten Kostenvoranschläge vor. Als realistisch stellte sich der Abbruch des bestehenden Bauwerks und der Neubau einer Einfeld-Halle mit 27 mal 15 Metern und 5,5 Metern Höhe dar. Das würde etwa 2,2 Millionen Euro kosten, der Eigenanteil der Stadt läge nach Abzug der Förderung bei rund 1,5 Millionen. Eine Zweifeld-Halle käme auf 4,3 Millionen Euro, Stadtanteil hier 3,5 Millionen. Eine neue Halle mit Sanierung der Gebäude käme der Stadt auf 1,4, eine Sanierung des Komplexes auf 1,3 Millionen Euro.
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