Neue Heimat für Jugendliche

Dekan Karlhermann Schötz erläuterte bei der Synode den Haushalt des Dekanats. Von links Dr. Roland Kurz und Hans-Peter Pickel, 2. Präsident der Synode. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2015
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Zum 532. Geburtstag Martin Luthers trafen sich Synodale aus dem ganzen Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg in der Christuskirche, um die aktuellen kirchlichen Herausforderungen zu diskutieren. Ebenfalls im Mittelpunkt: die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Ernst-Naegelsbach-Haus.

Präsidin Dorothea Seitz-Dobler eröffnete die Dekanatssynode. Der Landessynodale Karl-Georg Haubelt begann mit einem geistlichen Impuls, in dem er die Sorge äußerte, die Sprache des Dritten Reiches lebe heute wieder auf, und zu wenige erhöben Gegenrede. "Am Ende zählt nur, ob wir gehandelt haben im Namen dessen, der die Werke des Teufels besiegt hat, oder ob wir zugelassen haben, dass sie wieder die Oberhand gewinnen!"

Erd-Antlitz verändern

Dekan Karlhermann Schötz erinnerte an die Eröffnung des Simultankirchenradwegs heuer am 8. Mai mit Landesbischof Bedford-Strohm und dankte allen ehrenamtlichen Mitarbeitern in Gottesdienst, Kirchenmusik und auch bei der Flüchtlingshilfe. Er endete mit einem Zitat von Heinrich Böll: "Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen das Antlitz dieser Erde verändern können."

Wie das praktisch vonstatten geht, erfuhren die Synodalen anschließend von Stefan Reither, seit 2011 Leiter des Ernst-Naegelsbach-Hauses. Dies ist eine vom Dekanat Sulzbach-Rosenberg getragene heilpädagogische Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, die ein breites Spektrum an Diensten von stationärer Unterbringung über Tagesbetreuung bis hin zur Betreuung von Familien anbietet.

Im August 2014 wurde dort die erste Wohngruppe mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eingerichtet. Damals konnte man noch Einfluss auf die Zuweisungen nehmen: Die zwölf Jugendlichen kamen aus unterschiedlichen Ländern, so dass sie sich untereinander nur auf Deutsch verständigen konnten.

Keine Konflikte

Dadurch lernten sie sehr schnell und können inzwischen Praktika in Betrieben machen. "Schade, dass Ferien sind", hätten viele im August gesagt, berichtete Reither. Sechs Wochen, in denen nichts vorwärtsgeht, seien den Jugendlichen unerträglich gewesen. Reither konnte kurzfristig einen Ferien-Deutschkurs organisieren. Religionskonflikte habe es nicht gegeben. Über Mangel an Respekt, insbesondere gegenüber weiblichen Mitarbeitern, könne er nicht klagen.

Natürlich gebe es auch Probleme. Viele der Jugendlichen seien traumatisiert und hätten gelegentlich nachts sogenannte "Flashbacks", in denen sie Ereignisse aus ihrer Fluchtgeschichte wiedererlebten. Da komme es vor, dass ein Jugendlicher sich schreiend unter dem Bett einklemme und nicht ohne Hilfe der Polizei wieder hervorgeholt werden könne.

Zweite Wohngruppe

Für manche sei es auch schwierig, sich einzufügen, nachdem sie sich über Monate oder Jahre allein durchgeschlagen hätten. Zwei junge Somalier habe man deshalb aus der Einrichtung ausweisen müssen. Inzwischen gibt es in Amberg eine zweite Wohngruppe mit 30 Jugendlichen. Reither berichtete, derzeit kämen immer jüngere Minderjährige, und man rechne damit, demnächst auch eine Wohngruppe für Mädchen aufzumachen, während früher vor allem junge Männer gekommen seien.

Unterstützung nötig

Auf die Frage, ob denn auch weitere finanzielle Unterstützung erforderlich sei, sagte er, von den 930 Euro pro Jahr, die die Einrichtung für die Ausstattung bekomme, seien beispielsweise Ausflüge in die Umgebung nicht zu finanzieren. Diese seien aber ein wichtiger Teil des pädagogischen Programms, um die Integration der Jugendlichen in ihre neue Heimat zu fördern. Er bat daher weiterhin um Unterstützung.
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