Neue Medien machen Schule

Zwei Knopfdrucke und schon hat Alexander Voss den Inhalt des Schülerheftes an eine weiße Tafel geworfen. Der Lehrer findet"s vorteilhaft. Bild: doz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.10.2014
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Die Digitalisierung hat in Schulen längst Einzug gehalten. Mühevolles Folien kopieren war gestern. Eine Technik allerdings will sich am HCA-Gymnasium nicht so richtig durchsetzen.

Es ist ein unscheinbares Gerät, das etwas wie eine Designer-Lampe aussieht. Dabei hat die Dokumenten-Kamera fast schon etwas Revolutionäres. Sie verdrängt Overhead-Projektoren in die Rumpelkammern der Schulen. Das Prinzip ist einfach: Die Kamera ist mit einem Beamer verbunden, der alle eingefangenen Bilder an die Wand oder eine weiße Tafel projizieren kann. Die Hausaufgabe aus einem Schülerheft lässt sich dabei genauso analysieren, wie Physik- oder Chemie-Experimente filmen.

Die Technik ist also durchaus hilfreich. Das Herzog-Christian-August-Gymnasium hat laut Oberstudienrat Frank Fiedler, Mitarbeiter in der Schulleitung, aber noch Nachholbedarf. Zwei der drei Etagen seien immerhin gut ausgestattet. In Zahlen heißt das: rund 40 Beamer und 25 Dokumenten-Kameras. Außerdem gibt es einen Koffer mit 16 Tablets, damit für die Lehrer und Schüler auch mobile Geräte zur Verfügung stehen.

Selbst ein Smartboard gibt es am HCA-Gymnasium. Die interaktive digitale Tafel wird aber eher selten genutzt. Fiedler sagt: "Sie ist eher für den Frontalunterricht geeignet." Das werde aber nicht mehr so praktiziert. Hingegen erarbeiten und präsentieren die Schüler den Stoff oft selbst.

"Effektiver Nutzen gering"

HCA-Lehrer Alexander Voss spricht sogar von der Gefahr, dass das Smartboard zu einer sehr, sehr teueren Tafel verkommt. "Der effektive Nutzen ist relativ gering", sagt Voss. Ansonsten nutzt der 31-Jährige die neuen Medien schon. Wichtig sei ihm, dass das sinnvoll und gezielt und nicht nach dem Gieskannenprinzip passiere. Der Lehrer erklärt: "Der Schüler sollte merken, nur weil er viel Zeit am Computer verbringt, muss er nicht zwingend wissen, wie man vernünftig mit ihm umgeht - das muss die Schule leisten."

Schnell und vielseitig

Auch HCA-Lehrerin Tonja Scherzer ist von der Digitalisierung an Schulen überzeugt. Mit Dokumenten-Kamera und Beamer könne man viel flexibler arbeiten und sie seien schnell und vielseitig einsetzbar. Scherzer unterrichtet unter anderem Geografie. Dabei fallen der Lehrerin aber auch die negativen Seiten auf: "Die Qualität ist oftmals nicht so gut und es ist teils pixelig."

Vor allem betont Scherzer aber: "Man darf es mit den neuen Medien nicht übertreiben. Der Unterrichtsstoff darf nicht in den Hintergrund geraten." Medien seien zur Unterstützung da, aber der Stoff sei der Kern des Unterrichts.

Auch die Schüler schlagen verbal in dieselbe Kerbe. Julia Meidenbauer (16) aus der elften Klasse findet die neuen Medien gut. Dinge könnten so oft anschaulicher gezeigt werden. "Man kann es auch übertreiben. Wichtig ist es, den Unterricht nicht zu sehr zu digitalisieren und nicht mit Medien zuzumüllen." Oder wie es der Elftklässler Uli Berendes (16) ausdrückt: "Ohne einen g'scheiden Lehrer hilft die Technik auch nichts."
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