Neuer Bypass für die Forelle

110 Meter Gewässerstrecke warten auf neue Bewohner.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.11.2014
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Kaum fließt das Wasser seinen neuen Weg, kommen schon die ersten neugierigen Fische und staunen: Forellen und andere Bewohner haben in Breitenbrunn jetzt freie Bahn auf einer neuen "Umgehungswasserstraße". Wie kommt so ein neuer Bach zustande?

"Fisch muss schwimmen", heißt es. Was aber, wenn er nicht kann? Rund 25 000 Querverbauungen, also Wehre und Dämme, stehen in Bayerns Wasserläufen. Einige davon auch im Spitzerbach zwischen Breitenbrunn und Rosenberg. Damit die Wasserbewohner wenigstens ein großes, freies Teilstück nutzen können, griff der Breitenbrunner Jürgen Strobel finanziell in die eigene Tasche.

Mühlrad hat ausgedient

Aber zurück zum Anfang: Um 1700 entstand die Strobel-Mühle am Spitzerbach, seit über 350 Jahren und mindestens zehn Generationen ist sie im Familienbesitz. 1937 stellte die damalige Getreidemühle ihre Arbeit ein, nur noch zum Schroten für die Landwirtschaft lief gelegentlich das Mühlrad.

Doch der Bach blieb nicht ungenutzt: Am 1. April 1986, vier Wochen vor dem Tschernobyl-Unglück, ging ein vorbildliches kleines Wasserkraftwerk in Betrieb und nutzte den Bach zur Stromgewinnung. Von bisher rund 9000 Kilowatt-Stunden im Jahr steigerte sich die Leistung durch Modernisierung auf bis zu 12 000 kW/h.

Ein enger Rechen mit nur 20 Millimetern Spaltenbreite schützt die Fische vor einer unfreiwilligen Reise durch die Turbine. Aber er stellt eben auch ein Hindernis dar im Bachlauf. Jürgen Strobel lag die ökologische Durchgängigkeit des Spitzerbaches sehr am Herzen. Also plante er eine "Umgehungsstraße".

Langes Verfahren

Fünf Behörden und ein aufwendiges, umfangreiches Verfahren lagen vor ihm, aber im Januar 2014 kam dann die ersehnte "Baugenehmigung für einen Umgehungsbach" durch das zuständige Landratsamt Amberg-Sulzbach. Jürgen Strobel und sein Vater Hans konnten starten. Nach fachlicher Planung durch ein Ingenieurbüro rückte der Bagger an und schuf auf 110 Metern einen neuen Bachlauf auf dem Strobel-Grundstück.

Immerhin drei Meter Höhenunterschied, als drei Prozent Gefälle, hat das neue Bachbett zwischen der Abzweigung vom Spitzerbach im Westen bis zur Wiedervereinigung nach dem Wasserkraftwerk im Osten. Ein bis zu zwei Meter tiefer und drei Meter breiter Einschnitt durchzieht die Wiese, ausgekleidet mit Steinen und Schotter.

Als Jürgen Strobel das Sperrbrett herauszog und der neue Bachlauf sich füllte, freuten sich die Vertreter der beteiligten Stellen mit ihm: Zur Abnahme kamen Georg Dobmeier von der Kreis-Naturschutzbehörde, Armin Lontke (Wasserrecht beim Landratsamt), Stefan Grünauer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden, Dr. Henrike Saile von der Fischerei-Beratung des Bezirks. Sie alle bestätigten: Die Aktion ist prima gelaufen, vorbildlich beantragt und begleitet von den einzelnen Stellen.

Dieter Schlosser dankte für die Pächter des Baches mit einem kleinen Geschenk; der zusätzliche Bachlauf werde Forellen und anderen Fischen gut tun. Tiefere Ruhezonen wechseln sich ab mit kleinen Stufen, die aber für Fische kein Problem darstellen dürften. "Der Wasserstand reicht völlig aus!", vermeldete Dr. Henrike Saile, nachdem sie mit dem Meterstab verschiedene Stellen des Laufes untersucht hatte. Auch "schwimmschwache" Arten wie die Mühlkoppe hätten hier eine echte Chance.

Warten aufs Hochwasser

Etwa 300 Quadratmeter Wasserfläche umfasst der neue "Strobel-Bach", es fließen pro Sekunde 35 Liter Richtung Rosenberg, also durchschnittlich 30 Prozent des vorhandenen Bachdurchlaufes. Gut 5000 Euro investierte Jürgen Strobel in sein Projekt, wobei der Hauptanteil auf die fachliche Planung entfiel.

Die nächsten Hochwasser werden das Bachbett natürlich noch modellieren, aber es zeigt sich jetzt schon, dass die neue Umgehung gut angenommen wird von allerlei Wasserlebewesen. Wäre eine solche Erleichterung bei allen Wasserkraftwerken möglich, sähe die Ökobilanz unserer Gewässer besser aus.
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