Neujahrskonzert: Landesjugendorchester feiert 40-jähriges Bestehen
Edelsteine nur aus Musik

Als Solist verzauberte der Hornist Christoph Eß die Zuhörer im zweiten Teil des Abends.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.01.2015
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Obwohl das Ensemble das reife Erwachsenenalter erreicht hat, ist es kein bisschen müde oder abgeklärt: Davon konnte sich ein großes, begeistertes Konzertpublikum beim Neujahrskonzert überzeugen. Das Bayerische Landesjugendorchester feiert 40-jähriges Bestehen.

Nachdem das BLJO im Januar 2013 nicht in der Herzogstadt auftreten konnte, war heuer die Neugier groß, ob sich die Sporthalle der Krötenseeschule als Konzertort bewähren würde. Kann man gut hören? Sitzt man auf den Tribünen bequem?

Dank der hervorragenden Vorbereitung durch das Organisationsteam des hiesigen Lions-Clubs passten die äußeren Umstände. Das BLJO präsentierte sich in seiner bekannt hohen Qualität, auch die Akustik der Halle überzeugte. Leichtigkeit und Schalkhaftigkeit prägten Richard Strauss' "Till Eulenspiegels lustige Streiche". Schon bei den ersten Tönen wurde deutlich, dass der Dirigent Jonathan Nott viel mehr tat, als nur Takt und Einsätze vorzugeben.

Ein Kaleidoskop

Er hatte stets jeden einzelnen Musiker im Blick, mit detaillierten Handbewegungen zeigte er, wie sie einzelne Passagen spielen sollten. Mit dem ganzen Körper drückte er die Seele der Musik aus. So funkelte "Till Eulenspiegel" wie ein ganzes Kaleidoskop musikalischer Edelsteine.

Der Hornist Christoph Eß spielte den Solopart im "Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur" von Richard Strauss. Er verzauberte die Zuhörer mit seinem weichen, sinnlichen Ton und schmelzender Lieblichkeit. Das Orchester stellte sich ganz in den Dienst des Solisten. Strauss, der das Konzert mit 78 Jahren komponierte, scheint sich hier wehmütig an die Jugend zu erinnern. Diese Melancholie des Alters ist Eß und dem BLJO noch fremd, aber es gelang ihnen, sie einfühlsam und überzeugend auszudrücken.

Unwirklich schön

Mit ganz großer Besetzung beeindruckte das Orchester schließlich bei Igor Fjodorowitsch Strawinskys "Petruschka". Diese "Szenische Burleske in vier Bildern" malt die tragische Geschichte einer Jahrmarktsmarionette. Die Musiker spielten so lebendig und ausdrucksvoll, dass man den ausgelassenen Jahrmarktszauber zum Greifen deutlich vor dem inneren Auge sah. Soli verschiedener Instrumente lenkten den Blick auf einzelne Szenen. Unwirklich schön war das Flötensolo. Das Zusammenspiel der Solisten mit dem Orchester war vollendet. Die mächtige Klanggewalt, die ungezügelte Energie des Tutti ordneten sich mit absoluter Präzision den Solisten unter. Die Spannung gerade der leisen Passagen war so intensiv, dass sie beinah Angst machte.

Als der letzte Ton verklang, ging ein Seufzer durchs Publikum, dann brach stürmischer Applaus los. Fünfmal riefen die begeisterten Zuhörer den Dirigenten zurück.
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