Nostalgie oft ohne Noten

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.04.2015
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Es wird viel musiziert und gesungen in der Stadt - im Capitol, Seidel-Saal oder MuK. Aber es gibt noch ein Haus, in dem es singt und klingt, jeden ersten Mittwoch im Monat und bald schon zum 200. Mal: Zum Vogelheim am Feuerhof ziehen Gäste aus nah und fern, wenn dort Musikantenstammtisch angesagt ist.

Die einen kommen mit ihren Instrumenten, die anderen zum Zuhören und Mitsingen. Voll ist die Wirtsstube immer beim Musikantenstammtisch. Selbst schlimmstes Aprilwetter kann die "Franken-Fraktion" aus dem Hersbrucker Land, nicht vom Kommen abhalten, auch nicht die aus Kaltenbrunn, Schwarzenbach bei Pressath, Steinberg am See oder Freihung. "Ein treues Publikum seit Jahren", sagt "Präsident" Alfons Fehlner, der an diesem Abend rund 80 Gäste zählt, zehn davon sind Musikanten.

Rein nach Gehör

Man kennt sich beim Stammtisch, freut sich über ein Wiedersehen, man plaudert, bis Fehlner mit seiner Glocke um Aufmerksamkeit bittet für den ersten Auftritt. Auch die Musikanten kennt man längst, weiß, was ihre Lieblingsstücke sind, mit wem sie gern zusammenspielen, bewundert, dass viele von ihnen rein nach Gehör agieren, gar keine Noten lesen können. Und man liebt die Musik, die sie machen.

Der Keindl Horst aus Steinberg am See mit seinem Akkordeon, der Fruth Edi aus Amberg, der mit seiner Geige an anderen Tagen auch in der irischen Band Jack's Heroes mitwirkt und die Hauser Sandra, Postbotin und Vollblutmusikantin aus Altenschwand mit ihrem Akkordeon, treten jedes Mal zusammen auf. Ob das Lied vom "Fuhrmann, dem schwaren" oder die "Rosamunde" , es gefällt was sie mit oder ohne Instrument vortragen - und es wird mitgesungen an den Tischen.

In sieben Gruppen treten sie an diesem April-Tag an, natürlich sind auch die Gastgeber aus Sulzbach-Rosenberg dabei. Der Dittrich Hans mit Harmonika und Saxophon und der Herold Ludwig mit seinem Akkordeon beginnen schwungvoll bayrisch. Sie werden begleitet vom Presl Georg am Schlagzeug und vom Roth Georg mit der Gitarre. "Die zwei", sagt Alfons Fehlner, "machen die Begleitung bei fast allen Stücken", wobei Roth auch als Gesangssolist Beifall erhält für alte Schlager wie "Das kannst du mir nicht verbieten". Auch zwei Harmonika-Solisten, den Schuster Hans aus der Herzogstadt und den Leisner Michl aus Hersbruck, hört das Publikum im Vogelheim stets.

Während Sabrina, Michael und Manfred Getränke an die Tische bringen, während saure Bratwürste, Leberwurstbrote oder Presssack geordert und verzehrt werden, während Robert und Hubert an der Theke alle Hände voll zu tun haben und Anneliese in der Küche ausgelastet ist, geht das Programm weiter.

Alte Schlager

Das bewährte Duo Dittrich/Ertl sorgt für eine Prise Nostalgie mit Klarinette, Saxofon und Akkordeon und vor allem mit Gesang. "Meine Jugend und die Liebe sind schon längst Vergangenheit", klagen sie, um dann in einem Medley alte Schlager wieder aufleben zu lassen, vom Schiff das kommen wird und dem Habanero, der noch einmal spielen soll. "Bei dene Liada kriagt ma direkt a Gänshaut", gesteht einer von der "Franken-Fraktion", die wie immer überaus zahlreich vertreten ist.

Nach drei Stunden werden dann die Instrumente eingepackt, die Gläser ausgetrunken, der Heimweg - oft bei dichtem Schneetreiben - angetreten. Ein älteres Paar will im Flur noch ein wenig tanzen, und Alfons Fehlner, der unermüdliche Organisator, ist wieder einmal zufrieden.

Ein genussvoller Abend, zünftige Musik und ein freundschaftliches Miteinander von Menschen, die diese bodenständige Unterhaltung lieben, das ist es, was er und seine Mitstreiter wollen und was ihnen immer wieder bestens gelingt.
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