Notquartier statt Abrissbirne

Es geht gut voran in dem baldigen Flüchtlingsheim. Davon überzeugten sich (von rechts) Peter Rußwurm und Hubert Saradeth vom Landkreis-Gebäudemanagement, Landrat Richard Reisinger, Schulleiter Studiendirektor Bernhard Kleierl und Hausmeister Werner Vogel. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.11.2015
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Eigentlich stand die Spitzhacke schon bereit - die ehemaligen Bau-Hallen der Berufsschule sollten abgebrochen werden. Doch bald dienen sie einem neuen Zweck: Als Notunterkunft bieten sie ab Januar knapp 160 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf. Dann wird die Realschul-Turnhalle wieder frei.

Die Handwerker sind wieder eingezogen in die alten Ausbildungsstätten an der Ostseite des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums. Hier werkelten einst Maurer- oder Trockenbauer-Lehrlinge an ihren Übungsstücken. Später dienten die Räume als Ausweichquartier für einige Klassen des HCA-Gymnasiums während dessen Sanierung, dann standen sie leer.

Jetzt vier Schlafräume

Jetzt besuchte Landrat Richard Reisinger die Hallen, um sich ein Bild zu verschaffen von den Tätigkeiten: Er hatte die Räume im landkreisweiten Notfallplan als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt. Rund 990 Quadratmeter umfasst der Hallenkomplex, der künftig vier Schlafräume, Speisesaal und andere Zimmer beherbergt.

Natürlich muss die baldige Notunterkunft erst als solche hergerichtet werden. Das kostet rund 250 000 Euro und wird komplett von der Regierung der Oberpfalz bezahlt. Firmen der Region arbeiten mit Hochdruck an der Ertüchtigung, wie der Landrat feststellte. Hubert Saradeth und Peter Rußwurm vom Gebäudemanagement des Landkreises stellten die einzelnen Maßnahmen vor.

Zwei WC-Container

Zunächst sorgen Schweißer dafür, dass das Dach wieder dicht wird. Dann werden Duschen eingebaut, die Toiletten im Gebäude hergerichtet und zwei WC-Container an der Nordseite installiert. Dort, wo die Garderobe der Berufsschule sich an die Hallen anschließt, sorgt bald eine komplette neue Trockenbauwand für vollständige Abschottung der Notunterkunft zur Schule. Hier ist auch der Notausgang.

Zentral gelegen sind die Räume für Security, 24-Stunden-Betreuer und Arzt. Denn alle Flüchtlinge, die mit Bussen wahrscheinlich direkt von den Auffanglagern an der Grenze hierher gefahren werden, durchlaufen einen Medizin-Check und auch, sofern noch nicht erfolgt, eine Registrierung. Ihre Aufenthaltszeit in der Notunterkunft wird sich erfahrungsgemäß zwischen drei und sechs Wochen bewegen.

"Diese neue Unterkunft hat den Vorteil, dass wir einzelne Gruppen wie Nationalitäten, Alleinreisende, Familien etc. teilweise getrennt unterbringen können", erklärt Landrat Richard Reisinger den Vorteil gegenüber der Ein-Raum-Turnhalle. Die Verpflegung übernimmt hier wie auch schon bisher die Küche des St.-Anna-Krankenhauses.

Abriss nur aufgeschoben

Bis zu 60 Personen teilen sich einen Schlafraum von maximal 150 Quadratmetern, in dem dann die Feldbetten der Flüchtlinge stehen werden. In der vierten Kalenderwoche des nächsten Jahres, also am 25. Januar, soll die neue Notunterkunft aufnahmebereit sein. Dann kann die Realschul-Turnhalle wieder ausgeräumt werden.

Spätestens in zwei, drei Jahren, wenn die Generalsanierung der Berufsschulzentrums ansteht, geht es dann den alten Bauhallen endgültig an den Kragen: Sie werden ersatzlos abgebrochen, um die Sanierungsarbeiten nicht zu behindern.

Im Westen des Geländes dagegen entstehen demnächst feste Unterkünfte in Holzbauweise, die ebenfalls für Flüchtlinge genutzt werden, später aber auch Blockschülern als Übernachtungsmöglichkeit dienen könnten.
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