Nützen und schützen

Mit der "grünen Welle" sind die Biotopbäume markiert. Bei ihnen handelt es sich um besonders schützenswerte Bäume, die verschiedenen Tieren Lebensraum bieten. Förster Volker Binner (vorne) erklärte ihre Funktion. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.04.2015
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Wie schafft man es als Waldbesitzer, aktiv Waldnaturschutz zu betreiben? Welche Arten profitieren von einer naturverträglichen Art der Bewirtschaftung? Ist es trotzdem möglich, Holz einzuschlagen? Fragen über Fragen, die Revierförster Volker Binner und Jörg Berendes von der Waldbesitzervereinigung diskutierten. Ihre Partner: 40 lokale Waldbesitzer.

Bei einem Beratungsgespräch zwischen Volker Binner und Waldbesitzerin Cornelia Herrmann entstand die Idee, den naturnah entwickelten Bestand und dessen Durchforstung gemeinsam mit Waldbauern zu diskutieren. Der Bestand entwickelte sich in den letzten 30 Jahren sehr naturnah, es entstanden einige interessante Strukturen. Gleichzeitig hatte Forstminister Helmut Brunner zu Beginn diesen Jahres das "Aktionsjahr Waldnaturschutz" ausgerufen

In der Bestandesbeschreibung, die Forstanwärter Alexander Mann mit den Besuchern entwickelte, gab es verschiedene Sichtweisen. Die Ziele der Waldbesitzer reichten von der gesicherten Brennholzversorgung bis hin zur Wertholzproduktion. Übereinstimmend war allerdings die Meinung, dass es sich hier um einen dringend pflegebedürftigen Buchen-Kiefern-Bestand mit überwiegend schlechten Qualitäten handelt.

Aktiver Naturschutz

Verantwortlich dafür: alte Rückeschäden, viele Äste und Zwieselwuchs. Wegen der schlechten Qualitäten kam man zum gemeinsamen Ziel, diesen Bestand zu verjüngen. Die meisten Waldbesitzer hätten die schlechtesten und beschädigten Buchen entnommen, um genug Licht für die nächste Waldgeneration am Waldboden zu schaffen. Nicht jedoch Cornelia Herrmann, die mittlerweile begeistert von ihren Biotopbäumen ist und aktiv zum Naturschutz beitragen möchte.

Die "grüne Welle"

Doch was sind eigentlich Biotopbäume? Viele Waldbesucher haben sich vielleicht schon über die aufgemalten grünen Wellen an manchen Bäumen gewundert. Die Markierung zeigt, dass es sich um einen Biotopbaum handelt. Diese Bäume weisen besondere Merkmale wie Höhlen- und Spaltenquartiere, Faulstellen, Totholz oder Pilze auf. "Für den Erhalt der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern sind Biotopbäume in ausreichender Qualität, Zahl und Verteilung sehr wichtig als Lebensraumelemente", erklärte Förster Volker Binner. Er stellte Arten vor, die konkret in diesem Bestand vorkamen. Typisch seien Bäume mit Spaltenquartieren. Durch die Rindenschäden, die sich bei der früheren Holzernte zeigten, wurde der Stamm in diesem Bereich faul. Aus weiteren Zersetzungsvorgängen, hervorgerufen durch Insekten und andere Organismen, entstanden Spalten. "Arten wie die Bechsteinfledermaus finden hier Lebensräume und werten den Bestand ökologisch auf." Beim Präsentieren von Bildern der verschiedenen Buchenwald-Arten sah man in einige erstaunte Gesichter. Sepp Erler, Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, erklärte, dass eine gleichmäßige Verteilung der Biotopbäume über die gesamte Waldfläche extrem wichtig sei, um eine Isolation von Arten zu vermeiden. Mit dem Förderprogramm zum Waldnaturschutz will man dem Ziel etwas näher kommen und den Waldbesitzern bei ihren Bemühungen finanziell unter die Arme greifen.

Jörg Berendes, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Sulzbach-Rosenberg, rundete die Veranstaltung mit seinen Informationen zur konkreten Holzernte und zum aktuellen Holzmarkt ab.

Beim Fazit wurde klar, dass Forstwirtschaft und Naturschutz sehr gut auf gleicher Fläche umzusetzen sind. Waldbesitzer und Gemeinderat Philipp Wagner sorgte mit seinen Worten für den perfekten Schlusssatz: "Wir schimpfen immer über die Abholzung des Regenwaldes, aber selbst sind wir nicht bereit, ein paar Bäume in unserem Wald für die Natur alt werden zu lassen".
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