Nur Hilfe, nicht Schlaraffenland

In der Turnhalle der Walter-Höllerer-Realschule sind immer noch Flüchtlinge untergebracht - der Landrat besucht sie fast täglich. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.10.2015
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Die Frauen-Union ist sich mit Hans Lauterbach von "Sulzbach-Rosenberg hilft" und Asylsozialberaterin Angelika Brandt einig: Den Flüchtlingen in der Herzogstadt muss geholfen werden. Aber im Raum stand dennoch die Frage: Wie lange können die Helfer das noch leisten?

Die aktuelle Flüchtlingskrise fordert nicht nur die Politiker auf EU-, Bundes- oder Landesebene. Sie fordert vor allem die Kommunen, Landkreise und die vielen Helfer vor Ort, die im unmittelbaren Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern jeden Tag darum ringen, den Menschen eine sichere Bleibe zu bieten. Unabhängig davon, ob sie nun anerkannt oder ob sie wieder zurückgeschickt werden.

Alltagshilfe geben

Ob das in Sulzbach-Rosenberg gut gelingt, wollte die Frauen-Union wissen und hatte zum Gespräch mit der Asylsozialberaterin der Diakonie, Angelika Brandt, und Hans Lauterbach, einem der Gründer von Sulzbach-Rosenberg hilft, geladen. FU-Vorsitzende Nicole Selendt begrüßte auch den CSU-Ortsvorsitzenden und Kreisrat Dr. Patrick Fröhlich.

Brandt erzählte von ihrem Alltag mit den Flüchtlingen, die in Unterkünften über den ganzen Landkreis verteilt sind. Sie leiste bei ihren Besuchen einerseits einfache Alltagshilfe - bei Fragen zur Gesundheit, bei der Suche nach einem Kindergarten oder bei persönlichen Problemen.

Andererseits unterstütze sie die Bewerber bei ihren Asylverfahren, bei Fragen zum Aufenthaltsrecht und bei der Beantragung von Asylbewerberleistungen. Erschwert würde ihre Arbeit vor allem durch die starke Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in den entsprechenden Behörden.

Lauterbach berichtete von der Arbeit des Hilfsbündnisses vor allem mit den Asylbewerbern, die in der Realschul-Turnhalle untergebracht sind. Er appellierte, in der öffentlichen Diskussion um die Flüchtlinge kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Populismus zu verfallen. Lauterbach sprach in der Flüchtlingskrise auch Landrat Richard Reisinger ein großes Lob aus, der, so oft es ihm sein Terminkalender erlaube, in der Halle vorbeischaue und Anteil am Schicksal der Menschen nehme. "Das bedeutet den Flüchtlingen viel".

Obergrenze muss her

Dr. Patrick Fröhlich ergänzte, dass im Landratsamt erst kürzlich elf weitere Mitarbeiter eingestellt worden seien, die die bisherigen Kollegen bei ihrer Arbeit in drei verschiedenen Ämtern unterstützen sollen. Er betonte, dass es keine Diskussion darüber geben dürfe, ob den Menschen, die aus Kriegsgebieten vor unfassbarem Elend geflohen sind, geholfen werden soll. "Auf unsere 100 000 Einwohner im Landkreis kommen am Jahresende ca. 1000 Flüchtlinge. Dies bedeutet sicherlich noch kein Chaos", meinte er. Dauerhaft müsse es jedoch auch mit Blick auf ganz Deutschland eine Obergrenze geben. "1,2 Millionen Flüchtlinge können wir nicht jedes Jahr aufnehmen. Dies überfordert unsere Behörden, die ehrenamtlichen Helfer, unsere finanziellen Möglichkeiten und unsere Integrationsfähigkeit insgesamt", so der CSU-Vorsitzende.

Langfristiges Ziel müsse es daher sein, die Länder, aus denen Menschen fliehen, zu unterstützen, so dass kein Grund mehr zum Wegzug bestehe. FU-Schriftführerin Grete Gebhardt ergänzte, dass es vor allem auch angebracht sei, die Flüchtenden darüber zu informieren, dass in Europa und vor allem Deutschland zwar Hilfe, nicht aber das Schlaraffenland auf sie warte. Einigkeit herrschte darüber, Druck auf die anderen EU-Länder auszuüben, die derzeit zu wenig Solidarität zeigten.
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