Öffnet Herzen, hebt die Seele

Dekanatskantor Gerd Hennecke (rechts) dirigierte die Sulzbacher Kantorei, die Solosänger und das bestens disponierte Weidener Kammerorchester auf er Empore der Christuskirche. Bilder: gf (3)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.10.2015
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Halleluja! Georg Friedrich Händels Oratorium "Der Messias" ist wohl die bekannteste Schöpfung der Kirchenmusik. In der Christuskirche bot ein großes Ensemble das Werk mit überzeugendem Ausdruck, hohem Können und ansteckender Freude dar.

Auf der Seitenempore war kein Platz mehr frei, und auch das Kirchenschiff unten präsentierte sich sehr gut besetzt, als Dekanatskantor Gerd Hennecke den Einsatz gab. Die Sulzbacher Kantorei, die Solosänger und das bestens disponierte Weidener Kammerorchester drängten sich auf der Orgelempore, um die Zuhörer musikalisch durch die Heilsgeschichte zu führen.

Perfekte Illumination

Die Stimmen und der Klang der Instrumente ergänzte eine passende Illumination des Altarmosaiks. Beim ersten Teil des Oratoriums über Jesu Geburt zeigte ein tiefes Blau die Dunkelheit, aus der heraus das Licht in die Welt kam. Dramatisches Rot für Liebe und Blut stand im zweiten Teil für den Tod des Erlösers am Kreuz, während Gold und Grün schließlich die Hoffnung auf die Wiederkehr des Messias untermalten.

Die Konzertbesucher, die keinen Platz mehr auf der Empore bekommen hatten, wurden durch die suggestiven Farben auf der Darstellung des himmlischen Jerusalems ein wenig dafür entschädigt, dass sie die Musiker nicht sehen konnten.

Alle machen mit

Ein Konzert im Herbst, mitten in der Erkältungssaison, birgt das Risiko, dass Mitwirkende krank werden und ausfallen. So musste die Kantorei einige fehlende Sänger verkraften. Da sich aber für den Messias nicht nur die Stammbesetzung des Chores hatte begeistern lassen, sondern auch viele weitere Sänger, war es nicht zu spüren. Die über 40 Sängerinnen und Sänger mit stark besetztem Männer-Part überzeugten mit Präzision und spürbarer Freude.

Reiner Wohlklang

Ergänzt wurden sie von vier Gesangssolisten. Die Sopranistin Corinna Schreiter bezauberte mit lieblichem, klarem Klang. Auch die teils extremen Höhen ihres Parts meisterte sie mit reinem Wohlklang, ohne schrill zu werden. Der Tenor Viktor Schiering erfreute mit seiner sehr deutlichen Artikulation. Kraftvoll, mit schöner Dynamik und beweglich sang Bassist Oliver Weidinger.

Star des Abends war die aus der Herzogstadt stammende Altistin Christa Mayer, die an der Semperoper in Dresden engagiert ist und heuer in Bayreuth Erfolge feierte. Die warme Klangfarbe ihrer Stimme mit üppigen, sinnlichen Tiefen und sanften, geradezu zärtlichen Höhen ließ die Koloraturen leuchten und machte mit elegantem Schmelz jede Arie, jedes Rezitativ zum Genuss. Die Arie "Er ward verschmähet" gestaltete sie so eindringlich und erschütternd, dass die Zuhörer in atemloser Spannung lauschten.

Berückender Wohlklang

Besonders schön das Duett von Mayer mit Schreiter "Er weidet seine Herde": Die Stimmen der beiden Sängerinnen waren ganz verschieden, jede in ihrer Lage aber vollendet schön, so dass sie zusammen einen Moment von berückendem Wohlklang erschufen. Die bewährten Streicher des Weidener Kammerorchesters mit Konzertmeister Thomas Kaes wurden von Trompeten, Pauken und Orgelpositiv ergänzt. Gut zwanzig Instrumentalisten begleiteten einfühlsam die Sänger. Die Trompeten gaben besonders den Chorsätzen festlich strahlenden Glanz. Der berühmteste Satz, das Halleluja, prächtig mit Pauken und Trompeten instrumentiert, öffnete die Herzen der Konzertbesucher und erhob die Seelen. Mit kräftigem Applaus und Bravorufen feierte das begeisterte Publikum die Sänger und Instrumentalisten, bis sie als Zugabe das herrliche Halleluja wiederholten. Auch die Solisten sangen jetzt mit dem Chor mit, alle im gemeinsamen Lobpreis vereint. Gekrönt wurde das Musikerlebnis vom Zimbel-stern - ein beglückendes Konzert.
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