Ökologie kann so einfach sein

Nicht nur vorteilhaft fotografiert: Der Rückbau einer Rampe hat unter der Eisenbahnbrücke über die Vils in dem innerstädtisch geprägten Umfeld von Knandörfl aus einer Problemzone ein lebendiges Stück Flusslauf gemacht. Bilder: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.07.2015
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Viel erreicht mit einfachen Mitteln: Ambergs Fischereivereins-Vorsitzender Hans-Hermann Lier (Zweiter von links) zeigte sich teilweise begeistert, was die Kümmersbrucker Flussmeisterei mit Hans Pickelmann, Wilhelm Höpfel und Thomas Stangl vom Sachgebiet Gewässerunterhalt (von links) im Sinne eines lebendigen Ökosystems Flusslauf umgesetzt haben.

Allen Gerüchten zum Trotz kümmert sich die EU nicht hauptsächlich um den Krümmungsradius von Essiggurken. Um die Krümmung einst begradigter Bäche und Flüsse aber schon. Und das tut der Natur wirklich gut.

(zm) Wasserrahmenrichtlinie heißt das einschlägige Regelwerk umgangssprachlich, offiziell Richtlinie 2000/60/EG. Die Umsetzung in der Region fällt in die Zuständigkeit des Wasserwirtschaftsamts Weiden, die Flussmeisterstelle in Kümmersbruck arbeitet vor Ort entsprechende Maßnahmen ab. Inzwischen gibt es einiges vorzuweisen, und die staatlichen Hüter der Gewässer zeigen es gerne her.

Im vergangenen Jahr stand dort noch ein Bagger, wo heute Ambergs Fischereivereins-Vorsitzender Hans-Hermann Lier unter einem Stein einen Bachflohkrebs entdeckt und einen kleinen Schwarm des Dreistachligen Stichlings durchs Wasser zucken sieht. Da staunt auch Thomas Stangl, der in der Weidener Behörde für den Betrieb und Unterhalt staatlicher Gewässer zuständig ist. In knapp einem halben, dreiviertel Jahr hat sich am südlichen Vilsufer unterhalb von Lengenfeld eine wieder freigelegte, simmernde Quelle genau so entwickelt, wie es die EU-Wasserrahmenrichtlinie zum Ziel hat.

Lier ist begeistert, Stangl sieht wichtige Komponenten des Biomonitoring-Verfahrens (Organismen als Indikatoren für ein funktionierendes Ökosystem) als erfüllt an, und der Leiter der Flussmeisterstelle, Hans Pickelmann, sowie sein Vorarbeiter Wilhelm Höpfel sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Und schon geht es weiter zu einer anderen Maßnahme. Sie liegt mitten im Amberger Stadtgebiet im sogenannten Knandörfl. Das ist ein kritischer Bereich. Die Luitpoldhütte ist nicht weit entfernt, und der Flusslauf wird von einer Eisenbahnbrücke sowie der Bundesstraße 299 überspannt. Zudem hat eine Sprayer-Clique sich dort ausgetobt und viel Dreck hinterlassen. Der ist jetzt weg, und der Fließgeschwindigkeit wurden Beine gemacht.

Bloß nicht monoton

"Eine eintönige, gleichförmige Strömung", heißt es in einer Pressemitteilung, habe die Vils dort bisher geprägt und diesem Ökosystem nicht gut getan. Deshalb wurde "eine Rampe" unter der Eisenbahnbrücke zurückgebaut, der Lauf etwas verengt und mit "Spornen" (Steinbrocken im Flusslauf) die Monotonie im Flussbett unterbrochen. Feinere Schotter- und Kiesanschüttungen im Uferbereich sorgen daneben für Kehrwasser, damit sich ein Wechsel zwischen schneller und langsamer fließenden Passagen ergibt.

Fast wie bestellt


Als hätten es die Fische nicht erwarten können, habe sich noch während der Bauphase bereits der Erfolg eingestellt, erzählen Lier und Höpfel begeistert. Schwarmweise seien mehrere Arten zum Ablaichen an dieser Stelle förmlich eingefallen. Derweil hat der Fischereiverein mit einem Elektrofischen eine Bestandsaufnahme gemacht und 21 Arten festgestellt. Für Laien noch etwas naturnaher geht es in einem Bereich der Vils bei Süß, Gemeinde Hahnbach, zu. Dort wurde besonderes Augenmerk darauf gelegt, an einem der Ufer sogenanntes Totholz, sprich Wurzelwerk, einzubauen, um neue Lebensräume und Nahrungsquellen zu schaffen. Die solche Nischen bevorzugenden Tiere kommen dann schon von selbst, zeigt die Erfahrung.

Was die behördlichen Wasserwirtschaftler besonders freut: derartige Maßnahmen können üblicherweise im Zuge des regulären Gewässerunterhalts kostengünstig und ohne aufwendige Genehmigungsverfahren abgewickelt werden.

Nicht nur Freunde

Nur Freunde machen sich die Flussmeisterei in Kümmersbruck und das Amt in Weiden damit aber nicht, weiß Stangl. Unmittelbare Grundstücksanlieger, meist Landwirte, oder die Betreiber von kleinen Wasserkraftwerken hätten oft ganz andere Interessen. Nämlich genau die, die heute als Fehler von einstigen Begradigungen angesehen werden.
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