Ökumene radelt auf neuem Weg

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.05.2015
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Kirche bewegt. In unserer Region jetzt auf neue Weise: mit einem Radweg, der zu 49 Simultankirchen in den drei Landkreisen Amberg-Sulzbach, Tirschenreuth und Neustadt sowie der Stadt Weiden führt. Gestern war Eröffnung mit hohen Gästen beider Konfessionen, die sich für die Ökumene gern abstrampelten.

Tatsächlich geht es neben dem touristischen Wert und dem Freizeitcharakter der insgesamt zehn Radweg-Rundtouren auch darum: Menschen in die Kirchen zu bringen, und zwar in solche, die von katholischer und evangelischer Seite teils noch bis heute gemeinsam genutzt werden. Das ist das Prinzip der Simultankirchen, das der einst in Sulzbach-Rosenberg residierende Pfalzgraf Christian August 1652 zur Entspannung zwischen beiden Konfessionen sehr weitsichtig und fortschrittlich einführte.

"Der Herr wird's machen"

Klar, dass die Eröffnung des Radwegs dort an historischer Stelle in der Herzogstadt über die Bühne ging. Mit einer ökumenischen Feier, die der evangelische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Domkapitular Norbert Winner aus dem Bistum Eichstätt und Regionaldekan Ludwig Gradl aus dem Regensburger Diözesansprengel Amberg-Schwandorf federführend gestalteten. Bedford-Strohm trat anschließend mit dem Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger und weiteren Gästen aus Politik und Kirche in die Pedale, um mit der ersten Fahrt ins zehn Kilometer entfernte Illschwang den vom gleichnamigen Weidener Förderverein betreuten Radweg offiziell freizugeben. Dort steht mit St. Veit eine bis heute genutzte Simultankirche.

Der EKD-Ratsvorsitzende legte auf der Strecke ein mächtiges Tempo vor, wohlwissend, dass die Ökumene so schnell noch nicht unterwegs ist. In der Abschlussandacht in Illschwang betonte er: "Die Kirchen müssen sich bewegen." Beide Kirchen seien aber auf einem guten Weg zu mehr Gemeinsamkeit. "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe, er wird's wohl machen", zitierte er aus Psalm 37, der den Kirchen und ihren Gläubigen Mut machen sollte, dass sich dieser vertrauensvolle Weg fortsetzt. Als weiteren Schritt dahin sah er auch das Projekt Radweg und die unkompliziert praktizierte Ökumene im Dekanat Sulzbach-Rosenberg an. Hier spürte er "das Geistliche und Menschliche geschwisterlich verbunden", was auch die Gemeinsamkeit der Konfessionen fördere. Überhaupt sprach sich Bedford-Strohm dafür aus, den Blick auf das Verbindende und nicht das Trennende zu werfen, denn mit dieser Sichtweise lasse sich der Weg einfacher weitergehen.

Europaweit einmalig

Aus dem Beispiel der Simultankirchen "können wir nur lernen", betonte Domkapitular Winner. Denn hier habe "die Vernunft gesiegt, dass wir einen gemeinsamen Glauben haben". Am Altar werde er praktiziert - in Illschwang am einzigen Ort des Radwegs, der noch mit einem evangelischen und katholischen Pfarrer besetzt ist, wie Bürgermeister Dieter Dehling stolz hervorhob. Auch sein Sulzbach-Rosenberger Amtskollege Michael Göth hatte auf die "europaweit einmalige religionsgeschichtliche Entwicklung der Simultankirchen" in der Region hingewiesen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/simultankirchenradweg
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