"Ohne Koks nix los" in der Hütte

Immer länger wurden die Güterzüge, die Koks aus dem Ruhrgebiet heranfuhren. Täglich quälten sich zwei schwere Dampflokomotiven bis Mitte der 70er Jahre mit 56 Koks-Waggons an Lehenhammer und Etzelwang vorbei in Richtung Herzogstadt. Bild: P. Raßkopf
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.01.2015
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Alteingesessene Rosenberger haben es noch im Ohr, das dumpfe Grollen, mit dem sich der nächste der schier endlosen Güterzüge ankündigte. Beladen waren sie mit Koks aus dem Ruhrgebiet, gezogen häufig von zwei mächtig schnaufenden Dampfloks. Dann das Kreischen der Bremsen, ein Moment Stille.

Hatte die Maxhütte den Zug von der Bundesbahn übernommen, setzte die Begleitmusik für das Rangieren der einzelnen Waggons zur Entladestation ein: das sich ständig wiederholende Anfahren und Halten der Rangierlok, der metallische Klang beim Aufschlagen von Puffer auf Puffer, die lauten Kommandos, übertönt hin und wieder vom gellenden Pfiff der emsig hin- und herrollenden Lok.

Das war der Alltag im Bannkreis der Hütte und so normal, dass man meinen konnte, so sei es immer gewesen und nie anders geplant. Maxhütte hieß eben immer Eisen und Stahl, erzeugt auf der Basis eigener Erze. Mit eigener Kohle hatte das Unternehmen nichts am Hut, die wurde zugekauft, fertig! Aber genau das stimmt nicht. Auch Maxhütte und Kohle ist ein Stück Industriegeschichte, und das sogar mit ausgesprochen dramatischen Aspekten.

Die erste Überraschung bietet schon ein Blick auf die Vorgeschichte, in der nicht von Erz, dafür umso mehr von Braunkohle die Rede ist. "Die eigene Lignitkohle des Sauforstes, das billig zu habende Roheisen und der zu erwartende Bedarf an Eisenbahnschienen" - in dieser Reihenfolge nennt Eugen Roth, der Verfasser der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Maxhütte, die Hauptgründe für die Gründung der Vorgesellschaft.

Das war die Commanditgesellschaft Michiels, Goffard & Cie., die 1851 bei Burglengenfeld das erste Werk errichtete, aus dem zwei Jahre später die neu finanzierte Maxhütte hervorging. Auch das Amberger Tagblatt vom 4. August 1851 beginnt seinen Bericht über die Gründung mit dem Hinweis auf ,,bedeutende und nachhaltige Braunkohlenlager". Ausgerechnet der so nachdrücklich betonte Standortvorteil sollte sich jedoch als Schwachpunkt erweisen.

Neue Gasfeuerung

1877 machte sich das Haidhofer Stammwerk ganz von der eigenen Braunkohle unabhängig, indem es seine Anlagen auf Gasfeuerung mit böhmischer Braunkohle umstellte. Inzwischen hatte die Unternehmensleitung ihr Hauptaugenmerk überhaupt auf die Schaffung einer eigenen Erzbasis verlagert, ergiebige Erzfelder um Sulzbach, Rosenberg und Auerbach erworben und 1864 bei Rosenberg den ersten Kokshochofen in Betrieb genommen.

Während bei der Gründung des Stammwerkes noch die Verfügbarkeit von Braunkohle ausschlaggebend gewesen war, bestimmten damit erstmals die Erzvorkommen die Standortwahl. Ganz wesentlich hatte auch mitgesprochen, dass die 1859 eröffnete Linie Nürnberg - Schwandorf der Bayerischen Ostbahn eine kostengünstige Anlieferung von Koks ermöglichte. Denn Koks, bei der Entgasung von Steinkohle gewonnen, war von nun an der Brennstoff, den die wachsende Zahl der Rosenberger Hochöfen in immensen Mengen benötigte, um Eisenerz zu Metall zu reduzieren. Die Öfen wurden von oben mit Ausgangsstoffen beschickt, jeweils eine Schicht Koks von einem Gemisch aus Erz und weiteren Zuschlagstoffen überlagert.

Den ersten Koks bezog die Maxhütte aus Zwickau. Später wurde Böhmen für lange Jahrzehnte der Hauptlieferant. War das Kapitel eigene Kohlenbasis damit für alle Zeiten erledigt? Im Gegenteil, 1899/1900 machte die Maxhütte Nägel mit Köpfen: Sie erwarb vor den Toren der Konkurrenten an Rhein und Ruhr umfangreiche Steinkohlefelder bei Hamm und begann mit dem Abteufen einer Doppelschachtanlage. Schon dabei ergaben sich große Schwierigkeiten durch starke Wassereinbrüche.

1907 angefahren

Dennoch gelang es, 1907 das erste Flöz anzufahren. Bis 1912 waren die Grube und gut ein Jahr später die Übertageanlagen so weit ausgebaut, dass die neue Maximilianszeche schon einen gewissen Anteil der Koksversorgung der Hochöfen übernehmen konnte. "Die Schmelzversuche mit diesem Koks zeigten glänzende Ergebnisse", heißt es in einer Notiz aus jenen Tagen.

1914 jedoch gab es einen erneuten Wassereinbruch, und der konnte nicht bewältigt werden, weil im Zuge der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg erfahrene Bergleute einberufen worden werden. Die Grube soff ab!

Zwölf Jahre mühevoller Arbeit und der Einsatz extrem hoher finanzieller Mittel waren vergeblich gewesen. Das hier investierte Geld fehlte der Maxhütte, um zeitgleich wie geplant ihre Unternehmensstruktur in Bayern grundlegend zu verändern. So wurde nicht wie beabsichtigt ein völlig neues Werk in der Nähe der Eisenerzbasis, etwa in Auerbach oder Hersbruck errichtet, sondern das Werk Rosenberg um- und ausgebaut.

Aus war vor allem der Traum einer eigenen Steinkohlenbasis. Als unabänderliche Folge trat das ein, was die Einleitung dieses Artikels in Erinnerung rief: Die Kokszüge gehörten zum Alltag und wurden mit der gesteigerten Produktion immer länger.
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