Opfer grundlos übel misshandelt - 15 Monate mit Bewährung für reumütigen Täter
Schläge und Tritte im Kirwazelt

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.10.2014
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Kirwa in Etsdorf. Partystimmung im Bierzelt, junge Leute in Feierlaune. Und dann das: Plötzlich sinkt jemand nach heftigen Hieben von der Bank, wird bewusstlos, kriegt auch noch Tritte ab. "Das war gefährliche Körperverletzung", urteilte jetzt die Amtsrichterin Jacqueline Sachse.

16 Zeugen standen auf dem Sitzungsplan. Nicht alle wurden vernommen. Denn vor der Richterin saß ein 27-Jähriger, der zugab, im August vergangenen Jahres Gewalt ausgeübt zu haben. Keine Vorstrafen, tiefe Reue. 2000 Euro Schmerzensgeld hat er unterdessen bezahlt. Unverzüglich begab sich der Beschuldigte nach seinem Ausraster ins Krankenhaus und sagte Worte der Entschuldigung zum Opfer. Ein junger Mann übrigens, den der Täter kannte und der am gleichen Tisch saß wie er.

Was zu dem Zwischenfall führte, beschrieb der 27-Jährige so: Plötzlich habe man ihm Wein ins Gesicht geschüttet, hätten die Augen zu brennen begonnen. "Ich war in Panik", hörte die Richterin und vernahm, dass der Angeklagte nach links Faustschläge quasi zur Gefahrenabwehr austeilte. Dort saß ein junger Mann, den der Täter für die Attacke verantwortlich hielt. Eine Annahme, mehr nicht. Denn der Wein kam wohl von einer Frau, die nicht mehr ganz nüchtern war.

Das Opfer, offenbar durch die Faustschläge bereits bewusstlos geworden, fiel von der Bierbank. "Haben Sie dann auch zugetreten?", wollte die Richterin wissen. Einen Tritt räumte der 27-Jährige ein. "Waren es mehrere? Haben Sie auch gegen den Kopf getreten?" Die Antwort: "Ich weiß es nicht. Es ging alles so schnell."

Als mehrere Zeugen gehört worden waren, hatte sich ein Bild geformt, dem sich entnehmen ließ: Es wurde grundlos zugeschlagen und es wurde auch getreten. Einer dieser Tritte traf den Hinterkopf im Nackenbereich. "Das", formulierte die Richterin später, "kann sehr leicht tödliche Folgen für das Opfer haben." Sie erinnerte dabei an Übergriffe in U-Bahn-Stationen, machte ihre Auffassung auch an den generellen Meinungen medizinischer Gutachter fest.

Das Etsdorfer Kirchweih-Intermezzo endete für den 27-Jährigen, der mit Freunden aus dem westlichen Landkreis in das Dorf gefahren war, mit 15 Monaten Haft zur Bewährung. Dabei blieb die Richterin um drei Monate unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der Mann muss weitere 1000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen und hörte von der Vorsitzenden: "Ich habe die Bewährungszeit nur auf zwei Jahre festgesetzt, weil ich glaube, dass Sie sich das zur Warnung dienen lassen." Das Urteil wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig.
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