Organist Gerd Hennecke und Saxofonist Stefan Frank beeindrucken Publikum in der Christuskirche
Neue Farbigkeit und ein "Pedaltanz"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
28.05.2015
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Am Festabend zu Ehren des Heiligen Geistes machten sich Dekanatskantor Gerd Hennecke und Saxofonist Stefan Frank auf: Unter dem Titel "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist" erweiterten sie den Geist des Publikums in der Christuskirche auf musikalischer Ebene.

Dabei setzten die beiden Musiker auf eine austarierte Mischung zwischen gefälligen Stücken und anspruchsvollem Repertoire, damit sich die Zuhörer "beseelen lassen von der Musik und ihrem Geist", so Gastgeber Hennecke. Mit der Besonderheit dieses Pfingstkonzerts untrennbar verbunden war zudem die rare Besetzung Orgel-Saxofon, die so manchen Horizont zusätzlich ausdehnte.

Schillernde Impression

Dass die Künstler Anspruch hatten, zeigte sich gleich zu Beginn: Gerd Hennecke sang auf der Empore den Hymnus "Nun bitten wir den Heiligen Geist", Stefan Frank übernahm im Kirchenschiff, und am Ende improvisierten beide nebeneinander ihre ureigenen, jazzig schattierten und tonal schillernden "Impressionen".

Als gute Idee erwies es sich, jeweils vorab die Werkauswahl mit etwas Hintergrund zu unterfüttern. Ansonsten wäre beispielsweise der von Johann Sebastian Bach in Toccata-Form gegossene Prüfstein für Modale, Pedale und Lunge der Orgel vielleicht nicht so zur Geltung gekommen, vom Augenmerk auf den fußfertigen Pedaltanz Henneckes gar nicht zu reden. Stefan Frank verstand es wahlweise an Sopran- oder Altsaxophon, den volltönenden und von Natur aus raumfüllenden Orgelton mit rundem, angenehm unmetallischen Klang effektvoll zu ergänzen und dem nur scheinbar überlegenen Duettpartner standzuhalten. Nicht nur die fünfsätzige Sonata von Antonio Vivaldi gelangte durch Franks Kunst und Fertigkeit zu neuer Farbigkeit. Auf den solistischen Abstecher der Orgel in die moderne Preludien-Welt von "Come, holy spirit" und "I come with you" folgte ein Griegscher "Peer Gynt" zum Dahinschmelzen. Dabei war aber nicht nur "Solveigs Lied" so berückend wie von Hennecke versprochen. Eine "Morgenstimmung", die zwischen imposantem Orgel- und elegantem Saxofonton changierte, zählt zu den selteneren Musikgenüssen. Ebenso perfekt umgesetzt ertönten aber auch Åses Tod und Anitras entfesselter Tanz.

Faszination durch Kraft

So leicht macht es ein Olivier Messian dem Publikum nicht. Seine zu Pfingsten als Geburtstag der Kirche für die Orgel komponierte "Apparition de l'Église éternelle" faszinierte dennoch mit Kraft fernab von melodischer Weichspülerei.

Als Sax-Solo hatte sich Stefan Frank, der als Musikpädagoge an der Sing- und Musikschule tätige Absolvent der Schwabacher Musikkaderschmiede "Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium", das äußerst anspruchsvolle "Syrinx" von Claude Debussy ausgewählt. Und er hatte schon recht mit seiner Vorrede: Hätte Pan statt der zum Schilfrohr mutierten Nymphe Syrinx ein Saxofon gehabt, "was hätte er anderes damit anfangen können als mit der Flöte".

Jazzige Zugabe

Das gediegen-feierliche Finale bestritten die Künstler mit der "Saint Wilfrid's Suite", englischer Kathedralmusik von Andrew Carter. Der musikalisch beseelte Kreis schloss sich. wie er begonnen hatte - mit der jazzigem Zugabe "Sometimes I feel".
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