Pfalz Sulzbach: Hort der Toleranz und Religiosität
Pfalzgraf Carl Theodor - ein echtes "Glücksschwein"

Der Vortrag von Peter Geiger erklärt ein Stück Geschichte: das von der Pfalz Sulzbach, dem heutigen Sulzbach-Rosenberg. Bild: aja
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
31.03.2015
10
0
Kleiner als ein heutiger Landkreis, aufgespalten in vier Teile, aufgereiht wie an einer Perlenschnur quer durch die Oberpfalz: Dieses eigenartige Gebilde war das souveräne, eigenständige Fürstentum Pfalz-Sulzbach. Doch welche politischen Hintergründe gab es? Und warum konnte sich ein solch klitzekleines Fürstentum etablieren?

Historische Hintergründe

Fragen über Fragen, aber einer kennt die Antwort: Peter Geiger. Der Vorsitzende des Förderkreises Seidel-Saal hat sich bei seinen Vorbereitungen zu den 3. Knorr-von-Rosenroth- Festspielen intensiv mit der geschichtlichen Entwicklung Sulzbach-Rosenbergs auseinandergesetzt.

Insbesondere die Zeit von Herzog Christian-August hat er eingehend erforscht. Im historischen Gasthaus "Zur Landkutsche" im Hag erläuterte er bei einem Vortrag der Bevölkerung die historischen Hintergründe zur Entstehung der Pfalz Sulzbach.

Alle willkommen

Im konfessionellen Zeitalter, wenige Jahre nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges (der das Heilige Römische Reich notdürftig befriedete, aber mit verhärteten Glaubensfronten zurückließ) entwickelte sich Pfalz Sulzbach unter Herzog Christian-August zu einem damals in Europa höchst seltenen Hort der Toleranz und religiösen Liberalität.

Katholiken, Lutherische, Calvinisten, Spirituelle und vor allem auch Juden waren in seinem Fürstentum willkommen und konnten unter seinem Schutz ihre Religion frei und ohne Angst ausüben.

Die Wurzeln dieses bemerkenswerten Fürstentums reichen weit zurück in die Zeit des Landshuter Erbfolgekrieges im Jahre 1504, als das damals bairische Sulzbach ein Teil des neugeschaffenen Territoriums Pfalz Neuburg wurde. Es entstand aus Gebieten der untereinander zerstrittenen Wittelsbacher Linien: Landshut, München und Kurpfalz.

Im Jahre 1656 erreichte Herzog Christian August durch geschicktes Verhandeln die Unabhängigkeit und Souveränität seines Territoriums. Er wurde dadurch hier zu einem Garanten religiöser Toleranz.

Ebenso wurde der Sulzbacher Hof in seiner Zeit zu einem Brennpunkt der Europäischen Geistesgeschichte, an dem sich nicht nur Knorr von Rosenroth und Gottfried Wilhelm Leibniz aufhielten, sondern sich auch viele andere Geistesgrößen Europas begegneten.

Sieben Fürstentümer

Ebenso bemerkenswert sei die weitere Geschichte Sulzbachs: Christian-Augusts Urenkel und Nachfolger, der Sulzbacher Pfalzgraf Carl IV. Theodor wurde schließlich ab 1728 sukzessive zum Erben von sage und schreibe sieben Fürstentümern, darunter die Kurpfalz und Bayern. Ab 1777 war das Kurfürstentum Baiern tatsächlich sulzbachisch.

Kein Wunder, dass der Alte Fritz, der preußische König Friedrich II., ein Zeitgenosse Carl Theodors, diesen als "Glücksschwein" bezeichnete.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.