(Pflege-)Eltern bedeuten Heimat

„Das ist meines Erachtens nach der Idealfall“, sagt Landrat Richard Reisinger (Zweiter von rechts): Für den Somalier Pa-Cham Jallow (17, Mitte) sind Elisabeth, Manfred (von links) und Anna Rösl (rechts) seine Pflegefamilie. Eigentlich gehört noch der Sohn, respektive Bruder der Rösls dazu, der lebt jedoch in Italien. Bild: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.07.2015
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Während andere die Katastrophenglocke läuten, schlägt der Landkreis in Flüchtlingsfragen familiäre Töne an. Alleine hier strandenden Minderjährigen möchte er dauerhafte Perspektiven geben, auch menschliche.

(zm) Der 17-jährige Sudanese Pa-Cham Jallow hat sie offenbar gefunden. In Ursensollen, bei Familie Rösl. Ihm gehe es blendend, gibt er zu verstehen. Auch das Essen schmecke hervorragend, "Mama kocht Reis". Er meint damit Elisabeth Rösl, die zusammen mit ihrem Ehemann Manfred und der Tochter Anna Pa-Cham bei sich aufgenommen hat. Nicht nur notdürftig, sondern ganz offiziell, mit all dem vorgeschriebenen behördlichen Segen als Pflegefamilie und seit nunmehr rund vier Monaten.

Der optimale Weg

Landrat Richard Reisinger, der seit jeher in Flüchtlingsfragen eine sehr aufgeschlossen-moderate Linie fährt, ist in seiner ruhigen Art nahezu begeistert: "Das ist meines Erachtens nach der Idealfall. Wir werben heute einfach dafür." Der Landrat hat eine Pressekonferenz einberufen und seinen Jugendamtsleiter Thomas Schieder samt Mitarbeitern sowie die Familie Rösl dazugebeten. Obwohl sich auch in der Stadt und dem Landkreis derzeit die Lage bei der Aufnahme von Flüchtlingen zunehmend anspannt, verbreitet Reisinger alles andere als Katastrophenstimmung. "Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiter", sagt er, und weiter: "Wir haben das schon noch im Griff."

Und was andere womöglich nicht einmal zu denken wagen würden, das packe sein Haus im Gleichklang mit dem Jugendamt der Stadt einfach an. Pflegefamilien könnten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen - so die amtliche Bezeichnung - auf Dauer die wohl beste Perspektive bieten. Schließlich stünden Kinder und Jugendliche, so sehen es auch ausdrücklich die einschlägigen Gesetze vor, unter einem besonderen Schutzbedürfnis.

"Sehr, sehr fleißig"

"Wir erwarten keine Wunderdinge, sondern ganz normale Familien", sagt Reisinger noch und gibt quasi das Wort an Manfred Rösl ab. Der ist offensichtlich kein Sozialromantiker oder -träumer, sondern ein weltoffener Realist. Voll des Lobes bescheinigt er Pa-Cham "ein sehr, sehr fleißiger" Schüler einer Integrationsklasse der Berufsschule zu sein, überraschend gut Deutsch zu lernen und wie ein ganz normaler Jugendlicher seines Alters zu sein.

Der Pflegevater gibt grundsätzlich zu bedenken, dass eventuell interessierte Familien unbedingt religiöse und kulturelle Unterschiede in ihre Überlegungen einbeziehen müssten, auch gesundheitliche Aspekte und die Tatsache, dass diese Jugendlichen eventuell eine von ethnischer Verfolgung und kriegerischen Grausamkeiten geprägte Erlebniswelt mit sich herumtragen.
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