Pianistin Gabriele Werner brilliert im Rathaussaal
Melodiös und strahlkräftig

Als echte Entdeckung erwies sich Gabriele Werner bei ihrem Debüt als Solistin im Rathaussaal. Bild: aks
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.11.2015
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Der letzte Oktober-Abend bescherte den Sulzbach-Rosenberger Musikfreunden eine echte Entdeckung: Gabriele Werner, bisher bekannt als Klavierlehrerin an der Städtischen Sing- und Musikschule und geschätzt als Klavierpartnerin bei Liederabenden, legte ein furioses Debüt als Solistin hin.

Genuss und Freude

Das erklärte Ziel, "ihre Musik" mit dem Publikum in einem kleinen, feinen Klavierabend zu teilen, hat Gabriele Werner bei weitem übertroffen. Die ausgewählten Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert erwiesen sich als so strahlkräftig, dass sie sich nicht nur umstandslos ihren Weg ins Innere der Zuhörer bahnten, sondern auch mit Leichtigkeit vorführten, was Klaviermusik sein kann: Purer Genuss und Freude. Besonders großen Anteil an diesem Effekt hatte die Pianistin selbst. Bei allen drei aufgeführten Werken schälte sie die emotionale Ebene deutlich heraus, ohne sie der Kraft und Eindringlichkeit zu berauben. Eine Gabe, die technisch versierte Tasten-Darbietungen erst zu Musik macht und die nicht jedem Solisten gegeben ist.

Bestes Beispiel hierfür war Bachs Partita Nr. 2 in c-moll: Alle sechs Abschnitte gestaltete Gabriele Werner in klarem, unverzärteltem Ton und spürte den jeweiligen Individualitäten genau nach. Zugleich zog sie den so wichtigen roten Verbindungsfaden durch das gesamte Stück, ohne den jeder Bach nur ein sehr mühsamer Genuss ist.

Sinn für Struktur

Mit ihrem Sinn für Struktur trieb die Pianistin auch Mozarts frühe C-Dur-Sonate zu beachtlichen Höhen. Unbekümmert der Allegro-Schwung, fein abgestimmt das Andante und grundfröhlich der abschließende Allegro-Satz. Nichts weichgespült, dafür alles berauschend melodiös. Damit war denn auch der Weg perfekt bereitet für die abschließenden vier Schubert-Impromptus op. 90. Das lebenslange Spannungsfeld des Genies zwischen persönlicher Tragödie und dem Glück der Musik setzte Gabriele Werner mit höchster Empfindsamkeit um. Sie ließ die Töne nur so perlen, flehen, beschwören und triumphieren.

Die Zuhörerschaft im Rathaussaal hatte dafür die richtige Antenne und wurde mit dem schönstmöglichen "Rausschmeißer" belohnt: der Mondschein-Sonate von Ludwig van Beethoven, einem "frühen Schwarm" der Pianistin, der seine Faszination offenkundig behalten hat.
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