Praktiken im KZ vor Augen

Die Klasse O 13 der Berufsfachschule für Krankenpflege besuchte die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.08.2015
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Welche Rolle spielte die Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus und speziell in einem Konzentrationslager? Dieser und anderen Fragen gingen Jugendliche in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an historisch authentischen Orten nach.

Weitere Fragen waren etwa "Welchen Handlungsspielraum hatten Ärzte und Pflegekräfte an ihrem Arbeitsplatz?" sowie "Was bedeutet dies für das Selbstverständnis als Gesundheits- und Krankenpfleger heute?" Interessiert daran waren 15 Schülerinnen und drei Schüler der Klasse O 13 der Berufsfachschule für Krankenpflege am St.- Anna-Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg während eines ganztägigen Workshops im Bildungszentrum der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Begleitet wurden sie von Klassenleiterin Sabine Sperber und die für den Geschichtsunterricht zuständige Lehrerin Christine Eikam.

Vom Alltag der Häftlinge

Der Tag begann mit einer zweistündigen Führung durch das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers und die dortige Ausstellung. Anhand noch vorhandener Räumlichkeiten sowie zahlreicher Fotos und Exponate erklärten zwei pädagogische Mitarbeiter des Bildungszentrums, wie man sich den Alltag der Häftlinge vorzustellen hatte. Angefangen von der Ankunft der Menschen im Lager, der grausamen Behandlung durch SS und Funktionshäftlinge, der Lebens- und Arbeitsbedingungen, bis hin zur Ermordung.

Bewegend waren einerseits Tondokumente von Zeitzeugenberichten, die ihre Erfahrungen schilderten, zum anderen eine besondere Fotoausstellung: Hier wurden Bilder von Häftlingen in Alltagssituationen aus ihrer Zeit vor dem KZ gezeigt: zusammen mit ihrer Familie, bei Ausflügen oder am Arbeitsplatz. Den Besuchern wurde hier sehr eindrücklich vor Augen geführt, was die Haft schließlich mit den Menschen gemacht hatte.

Zum Krankenrevier

Nach der Mittagspause beschäftigten sich die Besucher in Kleingruppen anhand von Originalquellen mit speziellen Aspekten des Themas. Sie fanden heraus, wie das Krankenrevier im KZ Flossenbürg aufgebaut und organisiert war sowie unter welchen Bedingungen die Häftlinge medizinisch versorgt wurden.

Sie stellten zwei Ärzte vor, die im KZ Flossenbürg tätig waren und schilderten die durchaus unterschiedliche Art und Weise, wie diese mit den Häftlingen umgegangen sind. In einem Infoblatt der Gedenkstätte heißt es treffend: Die medizinische Betreuung der Häftlinge schwankte stets zwischen dem ernsthaften Anspruch, die Leiden der Häftlinge zu lindern, und dem Quälen, Verstümmeln und Töten. Ein weiteres Thema war die "Sonderbehandlung 14f13". Unter diesem Kürzel ist die Selektion von KZ-Häftlingen zum Zweck der Tötung mit Giftgas zu verstehen. Anhand von Briefen des Gutachters Friedrich Menneke an seine Frau während seiner Tätigkeit im KZ Flossenbürg wurde der Prozess der Begutachtung und die damit verbundene Denkweise sehr anschaulich dargestellt.

Am Ende Diskussion

Die letzte Gruppe erarbeitete die Vorgehensweise bei medizinischen Versuchen an Menschen in den Konzentrationslagern am Beispiel der Sulfonamid-Versuche im Lager Ravensbrück. Mit der Präsentation der Gruppenergebnisse und einer Diskussion endete die Veranstaltung.
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