Prozess des stetigen Lernens

Am Schlossberg in Rosenberg lauschten die Besucher vor der Kulisse des Ehrenmals den Reden zum Volkstrauertag. Bilder: bmr (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.11.2015
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Das Gedenken an Menschen, die Opfer von Gewalt wurden, ist auch heute notwendig. Das schließt aber nicht aus, sich Gedanken über den Inhalt solcher Veranstaltungen zu machen. Der Volkstrauertag machte dies wieder deutlich.

"Damals wie heute kamen und kommen Menschen zu uns", gab Bürgermeister Michael Göth bei der Totenehrung zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Rosenberg zu bedenken. Auch bei einige Unterschieden gäbe es verschiedene Parallelen zwischen den damaligen und heutigen Flüchtlingen. Feierlich umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung vom städtischen Bergknappenorchester.

Am Volkstrauertag halte man die Erinnerungen wach und rufe das wohl dunkelste Kapitel der Geschichte ins Gedächtnis. Dabei gedenke man der Opfer von Krieg und Gewalt, Völkermord und Vertreibung und der Opfer des Widerstandes, schilderte der Bürgermeister. Es dürfe nicht vergessen werden, wohin Arroganz, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt gegenüber Andersdenkenden oder Menschen anderer Herkunft oder gegenüber Schwachen führten. Aus diesem Grund habe der Volkstrauertag heute noch seine uneingeschränkte Berechtigung. Damit wolle man auch an die Menschen erinnern, die heute mittelbar oder direkt vom Krieg betroffen sind.

Verantwortung für Frieden

Auch wenn in Europa keine Grenzen mehr erkennbar seien und der Friedensprozess keiner Ermahnung zu bedürfen scheine, gründe dieses grenzenlose Europa auf einem Prozess des Lernens, der in eine gemeinsame Verantwortung für Frieden münde, mahnte Göth.

Gerade jetzt, wo es darum gehe, den Asylsuchenden Zuflucht zu bieten und ein menschliches Leben zu ermöglichen, werde dieses solidarische Europa, mehr denn je gebraucht. "Ein Zurückfallen in nationalstaatliches Handeln darf es nicht geben." Die meisten Menschen müssen flüchten, um schlichtweg das eigene und das Leben der Kinder und Familien zu schützen. All dies verdeutlichen bei vielen Unterschieden einige Parallelen zum Schicksal der Vertriebenen nach dem Weltkrieg.

Auch die damalige Herausforderung bestand in den ersten Nachkriegsjahren darin, den großen Zustrom an Flüchtlingen in die einheimische Bevölkerung einzugliedern, der es aber noch ungleich schlechter ging als heute. Neben der Versorgung mit Lebensmitteln mussten die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden.

8000 Flüchtlinge

Die Bevölkerung Sulzbach-Rosenberg wuchs in dieser Zeit von 11 000 auf 19 000 Einwohner an. Im Landkreis Sulzbach-Rosenberg betrug anfangs 1949 der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung sogar rund 33 Prozent. Seither seien die Einheimischen mit den Zugezogenen zusammengewachsen. "Nie darf vergessen werden, dass damals wie heute Menschen zu uns kommen", so Göth abschließend.

Gedenken an Paris

Der Ansprache schloss sich die Totenehrung an, bei der aus aktuellem Anlass den Opfern der Terroranschläge von Paris gedacht und der französischen Bevölkerung das Mitgefühl ausgedrückt wurde. Mahnung zum Frieden habe keine Grenzen, sagte der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Franz Schneller, der wie der VdK-Ortsvorsitzende Herbert Göth zum Gedenken einen Kranz niederlegte.
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