Realschule geht nur dreizügig

Die vor 50 Jahren gegründete Sulzbach-Rosenberger Realschule hat seit 2007 mit Walter Höllerer einen prominenten Namensgeber, der auch zur Kunst am Bau wurde. Bild: htl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.04.2015
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Seit Montag liegt der Antrag des Landkreises, das Kultusministerium möge prüfen, ob eine weitere staatliche Realschule im Gebiet von Amberg-Sulzbach genehmigungsfähig wäre, in München auf dem Tisch. Doch wer hier ein Ja als Antwort will, muss hohe Hürden überwinden.

Unsere Redkation hat beim Kultusministerium nachgefragt, welche Aspekte denn hier überhaupt in die Entscheidung einfließen. "Im Verfahren einer Realschul-Neugründung gelten bayernweit die gleichen Kriterien", antwortete Ministeriumssprecherin Sabine Herde. Dabei spielten unter anderem folgende Gesichtspunkte eine Rolle:


Die zu erwartende Schülerzahl muss dauerhaft einen mindestens dreizügigen Betrieb gewährleisten.
Im Fall einer Kooperation mit einer Mittelschule muss mindestens die Zweizügigkeit gegeben sein.
Durch eine Schulneugründung darf kein bisheriger Standort beziehungsweise kein bisheriges Bildungsangebot bestehender Realschulen gefährdet werden.
Durch eine Schulneugründung dürfen bereits getätigte Investitionen vor dem Hintergrund einer verantwortungsbewussten Mittelverwendung nicht obsolet werden.
Die Zustimmung des Finanzministeriums ist erforderlich.

Eine dauerhafte Dreizügigkeit scheint die Berechnung nicht herzugeben, die Planungsexperte Erich Findl vom Landratsamt im Kreistag vorstellte. Seine Grundlage waren die Geburtenzahlen für die Kommunen rund um Hirschau, die zur Kaolinstadt verkehrstechnisch günstiger liegen als zu Amberg oder Sulzbach-Rosenberg. Der Geburtenrückgang seit 2004 sei hier mit jährlich 1,86 Prozent weniger hoch ausgefallen als im Landkreisschnitt (2,12 Prozent).

Bei einer gemittelten Übertrittsquote an die Realschule von 22,7 Prozent hatte Findl errechnet, dass eine Realschule Hirschau im ersten Jahr ihres Volllastbetriebs 2020/21 auf 271 Schüler komme. Die Höchstzahl liege dann bei 308, bevor sie 2034/35 auf 259 sinke. Bei zwölf Klassen (also zweizügig) läge hier nur bei 308 Schülern die vom Kultusministerium angenommene durchschnittliche Klassenstärke von 25 vor, während sie bis 2034/35 auf 21,6 gesunken wäre.

Landrat Richard Reisinger machte deutlich, dass hier der Idealfall angenommen werde: dass alle Kinder aus dieser Region eine Realschule Hirschau besuchen. Das sei aber nicht realistisch, da bis dahin die Situation in Amberg schon wieder bereinigt sei und die Realschulen in Nabburg und Weiden für den Grenzbereich des Landkreises ihre Anziehungskraft möglicherweise behielten.

Interessant ist, dass das Ministerium die Kooperation mit einer Mittelschule ausdrücklich als Möglichkeit erwähnt. Spannend dürfte werden, ob man einer Neugründung in Hirschau zuschreibt, dass sie Investitionen in der Sulzbach-Rosenberger Realschule "obsolet" werden lässt. Laut Erich Findl hat hier nämlich die Regierung der Oberpfalz die Planungsgrundlage für die Generalsanierung von 500 auf 550 Schüler korrigiert, nachdem die Überbelegung in Amberg akut geworden war.
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