Reformationsfest: Festgottesdienst in der Christuskirche mit Pfarrer Günter Kusch aus Nürnberg
Über das Gewohnte hinausdenken

Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz, Dekan Karlhermann Schötz, Andreas Weber, 2. Vorsitzender des Evangelischen Männerbunds Sulzbach, und Festprediger Günter Kusch (von links) mit den Fahnenträgern des Männerbunds Rosenberg, Manfred Weiß (links) und Sulzbach, Christian Beck (rechts). Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.11.2014
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"Aus sich heraus ist die Kirche nichts", begann Dekan Karlhermann Schötz den Gottesdienst zum Reformationsfest: "Sie muss sich immer wieder erneuern und sich auf ihr Fundament Jesus Christus besinnen." Eine große Festgemeinde hatte sich in der Christuskirche versammelt, um des Beginns der Reformation vor 497 Jahren zu gedenken.

Andreas Weber, dem 2. Vorsitzenden des Männerbunds, war es gelungen, als Festprediger Pfarrer Günter Kusch zu gewinnen. Er ist Referent für Männerarbeit im Amt für Gemeindedienst Nürnberg und Landesgeschäftsführer des Evangelischen Männerwerks Bayern (EMB).

Ausgehend vom Brief des Paulus an die Philipper sprach Pfarrer Kusch über Prokrastination, zu deutsch "Aufschieberitis". Dieses Verhalten sei zutiefst menschlich und deshalb überall anzutreffen, bei jedem, selbst in der Politik und auch in der Kirche.

Reformation, erinnerte der Pfarrer, werde meist mit Luthers Erkenntnis verbunden, dass der Mensch nicht durch sein Tun zum Heil gelange, sondern allein durch die Gnade Gottes. Leider werde das oft falsch verstanden: "So, als könnten wir die Hände in den Schoß legen und Gott einen guten Mann sein lassen."

Wer die Kirche reformieren wolle, bewege sich zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bewährtem und aktuell Dringlichem. Kuschs Plädoyer wider die Prokrastination war ein Appell für das Schaffen und Tun. Er empfahl, die vertraute Komfortzone zu verlassen und den Mut zu haben, über das Gewohnte und bisher Mögliche hinauszudenken: "Die Hüter von Traditionen werden mitunter zu Totengräbern unserer Kirche, und was sich als treue Ergebenheit der Kirche gegenüber darstellt, ist manchmal nichts anderes als Trägheit - eben Prokrastination."

Schließlich benannte der Prediger drei besonders dringliche Reformen. Die Kirche müsse, wie Luther gefordert hatte, "den Leuten aufs Maul schauen", um nicht am überwiegenden Teil der Menschen vorbei zu reden. Sie brauche einen spirituellen Befreiungsschlag und müsse Phantasie entwickeln für mehr Angebote der Stille und das "Atemholen der Seele". Schließlich müsse man wieder ernst machen mit Luthers Lehre vom "allgemeinen Priestertum der Gläubigen", indem das Ehrenamt gestärkt wird. "Auf Gott", schloss der Prediger, "dürfen wir das Gelingen letztlich abschieben."

Auch in der feierlichen musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes war die Bedeutung Martin Luthers spürbar: Die Gemeinde sang seine Lieder "Ein feste Burg" und "Nun freut euch". Begleitet wurde sie von der Bergknappenkapelle unter Leitung von Johannes Mühldorfer sowie von Dekanatskantor Gerd Hennecke an der Orgel. Auch der Kirchenchor trug mit mehrstimmigen Gesängen zur Festlichkeit bei. Am Ausgang gab es für alle "Lutherbonbons".
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