Regionale Weltmusik

"Seelenfutter bei den Tourneen" sind für sie der Beifall oder freundliche Kommentare im "Gästebuch". In der Aula der Krötenseeschule wurden Werner Schmidbauer und Martin Kälberer von Hunderten begeisterter Fans reichlich "gefüttert". Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.11.2015
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"An an Doch so wia heit lod i mia Freind äi und dann mach ma Musik". So war es. In die Aula der Krötenseeschule waren ein paar hundert Freunde gekommen, und zur Musik luden - wie in ihrem Lied - Werner Schmidbauer und Martin Kälberer ein. Von Anfang an trug sie eine Woge der Begeisterung, "Seelenfutter bei der Tournee" nennen sie das.

Das Finale ist im Sommer nächsten Jahres "dahoam" in Rosenheim. Aber die Abschiedstournee ist angelaufen, in Sulzbach-Rosenberg stehen sie an diesem Abend zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne: Werner Schmidbauer und Martin Kälberer werden nach 22 Jahren getrennte Wege gehen.

"Mia hamm se net gstrittn", versichert Schmidbauer, aber nach elf gemeinsam produzierten Alben und weit über 1500 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sei es an der Zeit, etwas Neues zu beginnen.

Gefühlvoll und witzig

Aber noch ist es nicht so weit. Ihr aktuelles Programm heißt ebenso wie das neue Album "Wo bleibt die Musik?", und sie zeigen sich spielfreudig wie eh und je. Sie experimentieren mit unterschiedlichen Musikrichtungen, ihre Texte sind gefühlvoll oder tiefgründig, witzig, spiegeln Probleme des Alltags und des menschlichen Miteinanders wider. "Regionale Weltmusik von zwei bayerischen Südstaatlern" ist dabei herausgekommen, im gefälligen oberbayerischen Dialekt Schmidbauers vorgetragen und vom Multi-Instrumentalisten Kälberer perfekt ergänzt.

Von seinem Fluss, seinem Berg und den Eichen daheim erzählt Werner Schmidbauer eingangs mit viel Gefühl, klagt "Mit oam Schloch stehst dann da wia a Depp" über Vergangenes, um mit "Istanbul" türkische Impressionen wiederzugeben. "Koa Wort vastandn, aber mitgspuilt" hätten er und Kälberer auf den Straßen der Metropole am Bosporus, wo überall musiziert werde. Die gänzlich andere Situation zurück in München habe ihnen den Titel ihres Albums vorgegeben: "Wo bleibt die Musik?"

Dann wird es still

Dieses und vieles andere erfahren die Fans in der Krötensee-Schule. Werner Schmidbauer, trotz weißer Haare, dreier Kinder zwischen 16 und 28 Jahren und immerhin schon im 54. Lebensjahr, plaudert noch immer jungenhaft nett und charmant, spart Familiäres nicht aus, gibt zu "Manchmal hob i Angst", kennt die Probleme "der Männer meiner Generation", wenn es ums Älterwerden geht und mahnt: "Aufgem werd erst am Schluss".

Still wird es in der Schul-Aula bei einem Lied, das vor fünf Jahren entstanden und heute aktueller ist denn je. "Sie komman aus'm Süden mit der Hoffnung, sie san bald frei", hat Schmidbauer damals getextet, als sechs Flüchtlinge im Meer ertrunken sind. Heute, in einer viel dramatischeren Situation, wünscht er sich, "nicht Angst, sondern Hoffnung für die, die kommen und die, die helfen".

Noch einmal Gänsehaut-Feeling gibt es bei einem Erinnerungslied an den von Schmidbauer verehrten Nelson Mandela. "Assante Mandela" singen in Suaheli und im afrikanischen Rhythmus auch die Zuhörer im Saal mit, lautstark, so der Sänger, "damit er uns hört".

Immer ein wenig im Hintergrund, dabei aber voll auf Augenhöhe agiert Martin Kälberer. Seit 1998 geht der 48-Jährige zusammen mit Schmidbauer auf Tour, jetzt, "wo's am Schönsten is", will auch er sich neuen Herausforderungen stellen.

Perfekte Ergänzung

Der Multi-Instrumentalist und Komponist der meisten Stücke auf der neuen CD begleitet den Texter und Sänger am Klavier und mit verschiedenen Schlag-und Zupfinstrumenten. Hang, die Metallklang-Schale aus der Schweiz - "ich habe mittlerweile mehrere davon" - streichelt und klopft er mit Händen und Fingern, am Keyboard zeigt er seine Professionalität, kann ruhige Balladen ebenso begleiten wie rhythmische Lieder, ist die musikalische und menschliche Ergänzung seines Partners auf der Bühne. Dann das Sulzbach-Rosenberger Finale: Viele stehen auf beim Applaus, Zugaben müssen sein, CDs (oder Schallplatten) werden signiert. Ein sympathisches Dankeschön gilt allen Besuchern, aber auch an dem vierköpfigen Tournee-Team, das dafür sorgt, "dass alles klappt im Saal und danach". Ein letztes "Pfüat eich" - die Kulturwerkstatt hat wieder einmal ein Groß-Event erfolgreich über die Bühne gebracht.
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