Regionalwährungen "Chiemgauer" und "Sterntaler" Thema beim Erdchartaweg
Dieses Geld wird nicht gehortet

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.11.2014
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Über die größte Regionalwährung Deutschlands, den "Chiemgauer" und den eng damit verbundenen "Sterntaler", berichtete beim monatlichen Arbeitstreffen des Vereins Erdchartaweg Amberg-Sulzbach Ulrike Fuchs (Mittelreinbach).

Historische Vorbilder

Als historische Vorbilder gelten Freigeldexperimente, die ebenfalls Regionalgelder waren. Am bekanntesten wurde das Freigeld von Wörgl in Österreich, in der Wirtschaftskrise 1932/33 auf Initiative des Bürgermeisters Michael Unterguggenberger eingeführt. Als Schwundgeld sorgte es durch ein monatliches "Schwinden" von einem Prozent dafür, dass es nicht gehortet wurde. Es kam zu einem regionalen Aufschwung, die Arbeitslosigkeit sank um 40 Prozent - bis die Regierung die Währung verbot. Heute gibt es in der BRD 50 Regionalwährungen und jährlich ein bundesweites Vernetzungstreffen. Ziel ist es, die regionalen Unternehmen und Produkte zu stärken. Die Initiativen sehen sich dem Gemeinwohl und der ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet.

Der "Chiemgauer" ist das erfolgreichste Modell, entstanden 2003 durch ein Waldorfschulprojekt. Er hat 3000 Mitglieder und 620 beteiligte Unternehmen. Ein Chiemgauer entspricht einem Euro. Wenn er nach zwölf Wochen nicht in Umlauf gebracht wird, verliert er ein Prozent und kann durch einen kleinen Betrag wieder aufgewertet werden. Dadurch bleibt das Regiogeld immer im Kreislauf und kann nicht ohne Verluste herausgezogen werden. Ebenso wird ein Anhäufen von Kaufkraft einzelner verhindert. Der "Chiemgauer" wird auch als Mikrokredit verliehen.

Der Sterntaler, der in der Gegend um Reichenhall gilt, ist die zweitstärkste Regiowährung. Er entstand 2004 aus einem Tauschring und ist seit 2008 mir dem Chiemgauer im Verbund. Die Initiative hat die Form einer Genossenschaft und sieht sich einem sozialen und ökologischen Engagement verpflichtet. Sie unterstützt zahlreiche Projekte wie Naturschutzverbände, Kindergärten, die Lebenshilfe, Solarprojekte, Naturkostläden und sie betreibt ein großes Gartenbauprojekt.

Jeder kann mitmachen

Jede Person kann Mitglied werden. Derzeitige Bedingung ist der Umtausch von mindestens 240 Euro oder die Zahlung von 24 Euro Mitgliedsbeitrag. Diese Vorgaben sollen im nächsten Jahr entfallen. Der Beitritt zur Genossenschaft kostet 350 Euro, der 50 Euro davon bleiben, die restlichen 300 sind ein Darlehen. Als Mitglied kann man am Gartenbau teilnehmen und ein Stück Land für sich nutzen. Für Privatleute gibt es keinen Rücktausch des Sterntalers; dieser ist nur Geschäftsleuten erlaubt - mit einem Verlust von drei Prozent. Durch diese Beträge und die jährliche Gebühr von 60 Euro der Unternehmen werden Projekte unterstützt.
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