Reich, mächtig und vernetzt

Minnesänger, Ritter, Tänzerinnen und Musiker entführten die Besucher ins Mittelalter. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.10.2014
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Wie sah die Burg im Jahr 1100 aus, wie die Stadt? In der Schlosskapelle St. Nikolaus, einer der ältesten Kirchen Deutschlands, ließ das Stiber-Fähnlein das Mittelalter lebendig werden. Es ging um Grafen, Könige und darum, dass man als Sulzbacherin auch Kaiserin werden kann.

Schon früh war Sulzbach ein bedeutendes Herrschaftszentrum, erläuterte Altbürgermeister Gerd Geismann. Erkennbar war das allein schon an der enormen Größe der Burg und ihrer hochwertigen Ausstattung. So verfügten einige Räume über eine Unterbodenheizung, und in der Metallwerkstatt wurden hochwertige Güter hergestellt. Die Region brachte im 10. bis 12. Jahrhundert bedeutende Herrschaftsgeschlechter hervor. Darunter die Grafen von Sulzbach, die dem deutschen Königshaus eng verbunden waren.

Wiege im Schloss

Mit diesen Informationen zum Abschluss der Türkischen Woche eingestimmt, erwartete die Besucher Tanja Weiß, die von Bertha von Sulzbach erzählte, der einzigen Deutschen, die je den Kaiserthron in Konstantinopel bestieg. Ihre Wiege stand in der Burg, getauft wurde sie in der Kapelle, in der jetzt ihr Leben im Fokus stand. Sie wuchs wohlbehütet mit ihrer Mutter Adelheid von Wolfratshausen und ihren Geschwistern auf, lernte fleißig und hatte zu ihrem Vater Berengar trotz dessen häufiger Abwesenheit ein inniges Verhältnis. Nach dem Tod der Eltern kam sie schließlich an den Hof des deutschen Königs Konrad III., der mit Berthas Schwester Gertrud verheiratet war.

Die Tanzgruppe "Laetissime saltemus" präsentierte einen heiteren Reigentanz, ein Minnesänger trug ein Lobgedicht auf Bertha vor. So bekamen die Zuschauer einen Eindruck vom eleganten höfischen Treiben. Die Ehe eines hochgeborenen Mädchens hatte damals nichts mit Liebe zu tun, sondern war reine Politik. Der byzantinische Kaiser Johannes II. Komnenos wollte die Beziehungen zu Deutschland festigen und deshalb seinen viertgeborenen Sohn mit einer deutschen Prinzessin verheiraten. Konrad III. hatte keine Tochter im heiratsfähigen Alter, so schlug er seine Schwägerin vor.

Reise nach Byzanz

Weiß ließ in ihrem Vortrag die lange Reise nach Byzanz lebendig werden, Berthas Staunen über die fremden Landschaften, Pflanzen und Tiere, über andere Gebräuche. Ihre Ankunft stand unter keinem guten Stern. Noch unvertraut mit den fremden Sitten beleidigte sie unwissentlich eine hochgestellte Dame, und deren Gemahl verfluchte sie.

Auch die Ehe mit Manuel I. war nicht glücklich. Bertha entsprach nicht Manuels Schönheitsideal und er war ihr untreu. Trotzdem war Bertha, die als Kaiserin den Namen Irene trug, ihrem Mann und ihrer neuen Heimat gegenüber immer loyal. Sie vertrat ihn in Konstantinopel, wenn er in der Ferne weilte, und verhinderte einmal ein Attentat gegen ihn. Auch arrangierte sie Heiraten, um die Verbindung des oströmischen Reichs mit dem deutschen Kaiserreich zu festigen.

Ihr sehnlichster Wunsch blieb aber unerfüllt. Sie bekam keinen Sohn, sondern nur zwei Töchter. Als sie doch noch einmal schwanger wurde, starben schließlich sie selbst und auch ihr Kind, der ersehnte Junge, bei der Geburt.

Lieder und Bilder

Die eindringliche Erzählweise von Weiß, die eingestreuten Szenen, die wunderbar gesungenen Lieder und die Bilder, die an die Wand projiziert wurden, ließen Bertha-Irene und die Welt, in der sie wirkte, lebendig werden. Dudelsack und Schalmei, auf der Empore gespielt, setzten gekonnt Akzente, so dass sich die Besucher in die Vergangenheit versetzt fühlten.
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