Richtiger Weg zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Ganz wichtige Entscheidungen

Mit der umfangreichen Thematik "Patientenverfügung" setzte sich Dr. Jens Trögner bei der Seniorenaktionswoche auseinander. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.09.2014
4
0

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", sagte Gerontotherapeut Dr. Jens Trögner bei der Seniorenaktionswoche. Dort wies der Chefarzt am Klinikum St. Marien den richtigen Weg zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Mit dem Bild des Schweizers Ursus Vehrl, "Kunst aufräumen", wies Dr. Trögner auf die Problematik der Patienten- und Betreuungsverfügung sowie der dazugehörigen Vollmacht des Patienten hin. Auch dabei gehe es darum, buchstäblich mit dem Leben aufzuräumen. Gesetzliche Grundlage seien das Betreuungsrecht, das 1992 das Vormundschaftsrecht ablöste, und die Patientenverfügung, die 2009 gesetzlich geregelt wurde.

Keine Bevormundung

Damit habe der Gesetzgeber klargestellt, dass es nicht um eine Bevormundung des Patienten gehe, sondern um dessen Betreuung, wenn er selber nicht mehr in der Lage ist, sein Leben selber zu regeln. Neben diesen Vorgaben sei der Arzt auch verpflichtet, nicht gegen den § 223 des Strafgesetzbuches zu verstoßen und Körperverletzung zu begehen. Die sei dann der Fall, wenn der Patient nicht mit einem ärztlichen Eingriff einverstanden und eine Indikation nicht gerechtfertigt sei.

"Wenn ein Patient nicht mehr einwilligungs- oder geschäftsfähig ist, dann ist jemand nötig, der berechtigt ist, für ihn in medizinischen und wirtschaftlichen Situationen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört eine Patientenverfügung. Darunter versteht man eine Vorausverfügung einer Person, dass sie ihren Willen nicht mehr wirksam erklären kann", erläuterte der Referent.

Zeitlich begrenzt

Die Patientenverfügung beziehe sich auf medizinische Maßnahmen wie ärztliche Heileingriffe, die meistens im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernden Maßnahmen stehen. Nur wer volljährig und einwilligungsfähig sei, könne eine Patientenverfügung ausstellen. Wenn jemand wieder gesundet und somit wieder einwilligungsfähig sei, gelte diese Verfügung nicht mehr.

"Die Einbeziehung eines Notars ist nicht erforderlich, es sei denn, der Betreffende ist nicht in der Lage zu schreiben. Von Bedeutung ist auch, dass eine Patientenverfügung jederzeit widerrufen werden kann, solange der Patient einwilligungsfähig ist", machte Dr. Trögner deutlich. Zu der Abgabe einer Patientenverfügung sei aber niemand verpflichtet.

Werde aber eine solche Erklärung abgegeben, dann müsse auch ein Betreuer bestellt werden, der prüft, ob ein Arzt sich auch an die Patientenverfügung halte. Ansonsten mache das Ganze keinen Sinn. Weder Kinder noch die Ehefrau oder der Ehemann seien automatisch als Betreuer eingesetzt, räumte der Chefarzt mit einer weit verbreiteten Meinung auf. Die Entscheidung darüber, wer berechtigt ist, die Betreuung zu übernehmen und wer nicht, liege ausschließlich im Ermessen des Patienten, die er in einer Vollmacht regele. In einer solchen Erklärung werde der Wirkungskreis aufgeführt, der die Vollmacht umfasst.

Auch Bankgeschäfte

Dazu können normale Geschäftstätigkeiten wie Bankgeschäfte, Post- und Fernmeldeverkehr, Fragen der Wohnung und ob die Vollmacht über den Tod hinaus gelte, gehören. Aber auch inhaltliche Fragen, wie etwa ob man wiederbelebt werden wolle, könnten dort aufgeführt werden. Diese Festlegung sei umso schwieriger, weil der Ausgang einer Wiederbelebung völlig offen sei. Sie reiche von einer völligen Gesundung bis zu einer schweren körperlichen Behinderung.

Liege keine Vollmacht vor, dann entscheidet darüber, das Amtsgericht. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem behandelnden Arzt und einem Betreuer werde ebenfalls das Amtsgericht angerufen. Prognosen seien schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, machte der Referent abschließend deutlich. Manche Dinge ließen sich zwar planen, eine hundertprozentige Vorsorge gebe es aber nicht.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2014 (8407)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.