Rufbereitschaft in Gipfel-Nähe

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.06.2015
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Luftlinie ist Schloss Elmau von Garmisch-Partenkirchen nur einen Wimpernschlag entfernt. Für Markus Popp und all die anderen im Gipfel-Einsatz sind die G7 so nah - und doch so fern.

Ein Sonntag Anfang Juni in Garmisch-Partenkirchen, der Sommer ist da: Das Wetter passt, die Sonne scheint. Markus Popp aus Auerbach ist ganz entspannt. Fast könnte man meinen, der Oberpfälzer sei auf Urlaub im bayerischen Oberland. Wären da nicht Bretterverschläge und Planen vor den Häusern, das massive Polizeiaufgebot und am weiß-blauen Himmel die knatternden Hubschrauber.

Markus Popp ist einer von 14 Ehrenamtlichen des BRK-Kreisverbandes Amberg-Sulzbach, die wegen des G7-Gipfels, der gestern auf Schloss Elmau begann und heute endet, in Oberbayern im Einsatz sind. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren sechs Kollegen, die als die sieben mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt gelten, vor der malerischen Kulisse des Wettersteingebirges über eine Blumenwiese spaziert, sind Markus Popp, der die BRK-Bereitschaft Auerbach leitet, und seine Kollegen in Garmisch-Partenkirchen in Rufbereitschaft. Will heißen: Sie harren der Dinge, die da kommen - oder eben auch nicht.

Ungewohntes Bild

Tausende Polizisten, ein Großaufgebot an Sanitätskräften und Hubschrauber über Hubschrauber: "Wenn du das nicht selbst gesehen hast, dann glaubst du es nicht", schildert Markus Popp seine G7-Eindrücke am Tag drei des Einsatzes, der noch bis Dienstag dauern wird. "Solche Bilder kennt man sonst nur aus Filmen oder Großstädten", berichtet er und setzt lachend hinzu: "Für uns ,Landler' ist das schon ein ungewohntes Bild."

Die Freiwilligen aus dem Kreisverband waren am Freitag nach Regensburg gefahren, wo der BRK-Bezirksverband seinen Sitz hat. Von dort aus ging es dann in einem großen Bus in den Süden der Republik - "in unsere jeweiligen Einsatzorte, die unter anderem eben auch in Garmisch-Partenkirchen sind", erzählt der Rettungsassistent.

Der 26 000 Einwohner zählende Markt und zugleich Zentrum des Werdenfelser Lands gleicht an diesen Tagen einer Festung. Markus Popp war gestern Morgen dort, um einen Kaffee zu trinken. Der Ort war wie ausgestorben, von Einheimischen kaum was zu sehen. Dafür erblickte er umso mehr Häuser, die regelrecht verbarrikadiert sind, mit Bretterverschlägen und Folien. Das ganze Jahr über ist Garmisch-Partenkirchen der Hauptort des gleichnamigen Landkreises, seit Freitag aber auch der Ort, in dem sich hauptsächlich Demonstranten firmieren, die gegen den Gipfel protestieren. Weil von dort aus die Sternmärsche in Richtung Elmau starten und die Großkundgebungen über die Bühne gehen, sind Markus Popp und seine Einheit in Bereitschaftsstellung, "falls dabei was passiert". "Es war total ruhig, zumindest in unserem Bereich", bilanziert Popp nach drei Tagen Gipfel-Einsatz. Auch seien viel, viel weniger Demonstranten als ursprünglich angenommen vor Ort. "Ich denke mal, die Hitze hat viele davon abgehalten", erklärt der Rot-Kreuz-Bereitschaftsleiter aus Auerbach.

Bis Dienstag im Einsatz

Noch bis Dienstag bleiben die Einsatzkräfte des BRK-Kreisverbandes in Oberbayern. Bis dahin gehören das massive Polizeiaufgebot und die über das malerische Alpenvorland hinweg dröhnende Helikopter zum (Einsatz-)Alltag. Dass sie nicht bis zu den Mächtigsten der Welt kommen würden, war Markus Popp und seinen Kollegen schon im Vorfeld klar. Schloss Elmau ist nämlich Sicherheitszone eins - und somit so nah, aber doch so fern.
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