Sau hat noch Kapazitäten frei

Die Gehörne geben Aufschluss über den Zustand des Wildbestandes. Hier bietet sich jedes Jahr viel Diskussionsstoff und Anschauungsmaterial für Kenner. Bilder: Gebhardt (3)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.04.2015
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78 Reviere mit 37 000 Hektar - da tut sich jagdlich einiges. Nicht nur eine Menge Rehgehörne an den Stellwänden, sondern jede Menge Ideen und Argumente machen die Hegeschau der Jäger-Kreisgruppe zum Schmelztiegel jagdlichen Wissens. In Großenfalz trat die Prominenz diesmal geballt auf.

Die Grußredner im Wagner-Saal fassten sich kurz, auch ohne Landrat: Bürgermeister Michael Göth lobte die Jäger für ihren Einsatz bei der Schwarzwildproblematik, Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz, begleitet von Fraktionskollegin Angelika Schorer, dankte für offene Worte und gute Zusammenarbeit. "Jagd ist Berufung, kein Hobby!", erklärte Kreisgruppen-Vorsitzende Lore Kaiser.

Schwerpunktmäßig jagen

Der 2. Vorsitzende der bayerischen Imker, Hans Strehl, bilanzierte bedrohliches Bienensterben und kritisierte die schwierige Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Forstdirektor Richard Schecklmann vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten dankte für das jagdliche Engagement, mit dem die Waidmänner für einen gesunden, artenreichen Wildbestand sorgten. Ohne wirksame Regulierung komme es zu negativen Auswirkungen für Land- und Forstwirtschaft. Er appellierte, besonders im Hinblick auf natürlichen Waldnachwuchs und den angestrebten Umbau, in entsprechende Flächen den Jagdschwerpunkt zu legen.

Gutachten nicht so oft

Die Belange der Jäger schilderte Thomas Schreder den Besuchern. Der studierte Biologe ist BJV-Präsidiumsmitglied und Regierungsbezirksvorsitzender von Oberbayern. "Unsere Jagd ist ein Stück Heimat", schickte er voraus und bat dringend um Geschlossenheit beim Handeln. Alte Zöpfe gelte es abzuschneiden: In nicht mit Verbiss belasteten Hegegemeinschaften brauche es nicht alle drei Jahre ein Vegetationsgutachten. Die Prämisse "Wald vor Wild" müsse durch "Wald und Wild" ersetzt werden, die Zwangsversicherung der Jäger gehöre weg, zur Jagdabgabe meinte er "Jägergeld in Jägerhände".

"Die Öffentlichkeitsarbeit des BJV ist umfangreich", resümierte der Referent, denn ein zentraler Punkt sei der Akzeptanzerhalt der Jagd. Er warb für die Teilnahme am digitalen Schwarzwild-Monitoring des BJV, das auf dem Datenaustausch über Sichtung, Schäden und Erlegung beruht.

Fehlende Bejagungsschneisen im Mais erschwerten die Jagd auf Wildschweine im Sommer. Die Schadensursachen sah Schreder im Klimawandel (geringere Sterblichkeit), veränderten forst- und landwirtschaftlichen Zielen und auch in Fehlern bei der Kirrung (Anlockfütterung).

Immens viel Futter

"So lange sich an den Ursachen nichts ändert, wird immer mehr Schwarzwild nachkommen. Die Lebensraumkapazität ist noch nicht erreicht!" Über 9000 Tonnen Ernterest-Maiskörner auf den Feldern, teils 2,5 Tonnen Eicheln pro Hektar im Wald, das alles spiele zusammen - auch in vielen anderen europäischen Ländern. Trotzdem gelte: "Respekt vor den Wildtieren - Rot- oder Rehwild, aber auch Schwarzwild ist kein Schädling!" Schuld an Missständen sei großteils der Mensch selbst. Der Jagdverband trete aktiv fürs Übungsschießen ein, lehne jedoch einen Zwang zum Nachweis ab.

Bei den Wildschäden plädierte Thomas Schreder für Fairness zwischen Flächeneigentümern und Jagdausübungsberechtigten. So seien etwa Biber oder Wildgans nicht wildschadenspflichtig. Ziel sei, durch wildtiergerechte Grünlandbewirtschaftung dem Niederwild (Feldhase, Fasan, Rebhuhn) zu helfen. Dazu arbeite der BJV in ganz Europa mit zahlreichen Instituten, Organisationen und Behörden zusammen. Steigende Mitgliederzahlen, so Schreder abschließend, große Zufriedenheit mit der Verbandsarbeit und ein positives Verhältnis zur Landespolitik kennzeichneten die Situation beim BJV.

Die Bläsergruppe sandte die entsprechenden Jagdsignale, Lore Kaiser wünschte Erfolg bei der bald beginnenden Bockjagd, und dann sammelten die Jäger ihre Gehörne wieder ein. Nächstes Jahr werden sie die Wände wieder bestücken, aber davor liegen viele Stunden im Revier.
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