Schon alle 14 in der Tasche

Spitzenbergsteigerin im Goldenen Buch (oy) Die Freude, mit der sie in die Herzogstadt kam, war Gerlinde Kaltenbrunner am Samstagabend schon beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt anzumerken. Die wohl derzeit weltbeste Bergsteigerin präsentierte auf Einladung der Sektion Sulzbach-Rosenberg des Deutschen Alpenvereins ihren aktuellen Vortrag "Leidenschaft 8000 - Tiefe überall". Doch zuvor hießen die 44-jährige Oberösterreicherin aus Spital am Pyhrn Bürgermeister Michael Göth (links) sowie DAV-Sektionsvors
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2015
0
0

An diesem Berg erlebte sie ihren größten Triumph, aber auch ihren schwersten Schicksalsschlag: Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner erzählte vor 400 Gästen von ihren Erlebnissen am zweithöchsten Berg der Welt, dem K 2. Und schnell wurde deutlich, was gemeint ist mit dem Vortragstitel "Leidenschaft 8000 - Tiefe überall".

Schlank, groß und durchtrainiert kommt die Oberösterreicherin daher, als sie bereitwillig Autogramme im Foyer der Krötensee-Turnhalle gibt. Es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre in der lokalen Alpinisten-Szene - als würde man sich schon jahrelang kennen.

Hilfsprojekte in Nepal

Sie hat sich nach eigenen Angaben sehr auf den Vortrag in der Herzogstadt gefreut, hat sie doch im Vorfeld schon einiges von der örtlichen DAV-Sektion und deren Aktivitäten gehört. Nicht zuletzt von der Nepal-Hilfe Amberg-Sulzbach, die ähnlich ihres Engagements über die Nepal-Hilfe Beilngries auch ein Schulprojekt am Dach der Welt betreibt. Freunde am Berg - Freunde bei sozialen Projekten könnte man sagen.

In einer ruhigen Art schildert die 44-jährige Profibergsteigerin ihren Werdegang von ersten Klettertouren in ihrer Heimatgemeinde Spital am Pyhrn, die sie mit dem Gemeindepfarrer unternahm, bis zum Wunsch, irgendwann einmal die höchsten Berge der Welt wenigstens zu sehen. Und aus diesem Verlangen wurde schnell Wirklichkeit. Ihr größter Traum, einen Achttausender zu besteigen, ging im Alter von 23 Jahren mit der Besteigung des Broad-Peak-Vorgipfels (8027 Meter) in Pakistan in Erfüllung.

In ihrer Multivisionsschau machte sie immer wieder deutlich, wie unabdingbar eine akribische Vorbereitung auf die Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt ist. Auch sei falscher Ehrgeiz nie ein guter Ratgeber. Das Umkehren gehöre stets zu den Alternativen in der Todeszone, um das eigene Leben und das des Teams nicht zu gefährden. Deutlich machte Kaltenbrunner das nicht zuletzt an ihren sechs gescheiterten Versuchen am K 2.

Im Jahresrhythmus

Nach ihrer Premiere an einem Achttausender im Jahr 1994 folgte vier Jahre später der Cho Oyu (8201 Meter), im Jahr 2000 der Shisha Pangma (8008) und dann im Jahresrhythmus (manchmal auch zwei innerhalb von zwölf Monaten) Makalu (8463), Manaslu (8163), Nanga Parbat (8125), Annapurna I (8091), Gasherbrum I (8068), Gasherbrum II (8035), Kangechendzönga (8595), Broad Peak (8047), Dhaulagiri (8167), Lhotse (8516), Everest (8848) und schließlich im August 2011 der K 2 (8611) über den Nordpfeiler.

Jetzt war Gerlinde Kaltenbrunner die erste Frau, die alle Achttausender ohne Flaschensauerstoff und Hochträger bestiegen hatte. Der K 2 hatte der Spitzenbergsteigerin alles abverlangt. Bei fünf Anläufen musste sie wegen widriger Verhältnisse abbrechen,

Unheimlich betroffen machte die Österreicherin der Tod von Fredrik Ericsson am 6. August 2010. Er war beim Anstieg zum K 2-Gipfel 1000 Meter tief abgestürzt. Nach dieser schwierigen Zeit schöpfte sie neue Kraft, um ihren größten Wunsch ein Jahr später zu erfüllen. "Wir alle gehen freiwillig in die Berge, niemand zwingt uns. Und die Gefahren sind bekannt", schilderte Kaltenbrunner die Risiken jeder Tour. (Zum Thema)
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.