"Sie heulen vor Dankbarkeit"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.01.2015
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Die Weihnachtszeit hat dem Kinder-Hilfsprojekt "Hayag" für arme Mädchen auf den Philippinen so viele Spenden eingebracht, dass das im Juli gekaufte Haus im Slum von Cebu jetzt abbezahlt ist. Auch wenn Vorsitzender Siegfried Kreuzer bei einer Großspende an die versteckte Kamera dachte.

Es war ein Geschäftsmann aus Dortmund, der für den in Amberg-Sulzbach beheimateten Verein Hayag 20 000 Euro gab. Er sei über die Crowdfunding-Plattform "betterplace.org" auf Hayag aufmerksam geworden und wolle das Projekt unterstützen, weil er in Cebu eine Geschäftsstelle habe, erzählte er Kreuzer. So könne er direkt in dem Ort helfen, in dem er auch Geld verdiene. Der Geschäftsführer des Dortmunders in Cebu besah sich sofort das Haus Hayag, befand den Ansatz für gut und das Geld floss.

Noch etwas gezittert

Da die Überweisung aber wegen der Weihnachtsfeiertage nicht sofort auf dem Hayag-Konto einging, war damit für Kreuzer, den schon der Anruf "aus dem heiteren Nichts" ereilt hatte, noch etwas Bangen verbunden: "Ich habe immer auf die versteckte Kamera gewartet."

Weitere 20 000 Euro kamen von einem Spender aus der Region, der anonym bleiben möchte. 5000 Euro vom Unternehmen "Grüner Fisher Investments" aus der Nähe von Kaiserslautern verdienten sich die Hayag-Leute, indem sie die Herausforderung annahmen, deren Facebook-Seite bis zum Jahresende von 2500 auf 5000 Likes zu bringen - mit kräftiger Unterstützung von den Philippinen. "Als die Mädels angefangen haben, das zu teilen, ging da die Post so richtig ab", erzählt Kreuzer über den knapp geschafften Angriff auf die 5000er-Marke.

5000 Euro von "Networker for Humanity", einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Heidelberg; 2000 Euro über einen Regensburger Personal Trainer, der einen Tag lang nur für Hayag arbeitete und seine Kunden zu Spenden animierte; viele kleinere Spenden und Einnahmen über eigene Veranstaltungen wie den Amberger Ultralauf oder den Benefizabend im November im Kubus - zusammen machten sie so viel aus, dass der Verein den Kredit für das neue Haus Hayag schon jetzt tilgen konnte. Obwohl es durch die Schwankungen beim Dollarkurs im letzten Halbjahr nicht wie ursprünglich errechnet 95 000 Euro kostete, sondern etwas über 100 000 Euro. Aber der Verein musste das Gebäude kaufen, weil das alte Haus Hayag 2013 bei einem Taifun stark zerstört worden war.

"Ab sofort kann jeder Euro, der eingeht, wieder direkt für die Mädchen verwendet werden", formuliert Kreuzer die Botschaft, die vom abbezahlten Haus ausgeht. "Es ist gigantisch renoviert", hat er festgestellt, als er im Oktober in Asien war und einen Tag in Cebu vorbeischaute. Wobei die 15 Mädchen die jetzt zehn Zimmer nicht nutzten, um sich selbst mehr Platz zu genehmigen. Sie schlafen immer noch nur in zwei Räumen und haben dafür eine "Bibliothek mit Computerraum", eine Kapelle, eine (vom Sozialamt geforderte) Kranken- und Isolierstation oder einen Besprechungsraum eingerichtet. In dem, so erzählt Kreuzer, besteht der Tisch aus einer Glasplatte, unter die die Mädchen Porträtbilder der sechs Hayag-Verantwortlichen gelegt haben.

Bald 25 Bewohnerinnen

Kreuzer kann darüber schmunzeln und hat der einheimischen Projektleiterin Sarah erklärt, dass mal 30 oder mehr Mädchen in dem Haus leben müssen. "Das sieht sie auch ein." Ende 2015, so Kreuzers Ziel, sollten es schon 25 Bewohnerinnen sein. Ist natürlich auch eine Geldfrage. Rund 130 Euro muss der Verein pro Mädchen im Monat aufbringen. "Immer wenn durch die regelmäßigen Beiträge neuer Mitglieder wieder 100 Euro voll sind, können wir ein Mädchen mehr aufnehmen", schildert Kreuzer die Vorgehensweise. Der durchschnittliche Beitrag liege bei 17 Euro.

Was er bei der Haus-Einweihung im Oktober erlebt hat, bestärkt Kreuzer darin, dass jede Minute, die er für Hayag investiert, sinnvoll genutzte Zeit ist. Zum "House Blessing" waren nämlich auch die Eltern der Mädchen eingeladen, hauptsächlich arme Leute aus den Bergen. "Sie nehmen deine Hand und heulen vor Dankbarkeit, dass ihre Kinder über Hayag diese Chance bekommen."
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