Sie lassen sich nicht abwimmeln

Nicht einwickeln, sondern bildungspolitisch entwickeln: Mit 3325 Unterschriften - aufgereiht an einer Wäscheleine - fordern Eltern aus Hirschau und Schnaittenbach eine eigene Realschule. Die Listen übergaben sie, unterstützt von Bürgermeister Hermann Falk (stehend, Zweiter von rechts), gestern an Landrat Richard Reisinger (rechts daneben). Bild: Huber
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.07.2015
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Das ist schon eine beachtliche Hausnummer, an der die Politik so einfach nicht vorbeikommt: 3325 Hirschauer und Schnaittenbacher wollen eine völlig neue Realschule für den nordöstlichen Landkreis.

Das ist genau das Gegenteil von dem, was eigentlich überall diskutiert wird: Die Schließung von Schulen wegen schrumpfender Jahrgänge. Als zeitlich befristete Übergangslösung wollen Landrat Richard Reisinger und Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (beide CSU) einen Aufnahmestopp an der Amberger Franz-Xaver-von-Schönwerth verstanden wissen. Er soll ab dem Unterrichtsjahr 2015/16 für Kinder aus dem nordöstlichen Landkreis gelten.

Die Schönwerth-Realschule ist Ambergs einzige staatliche Realschule und deckte in der Vergangenheit in dieser Eigenschaft das Stadtgebiet und die nähere Umgebung ab. Sie hat sich jedoch völlig anders entwickelt als einst prognostiziert, platzt aus allen Nähten und wird seit geraumer Zeit generalsaniert. Deshalb einigten sich Landrat und OB darauf, potenzielle Realschüler aus dem nordöstlichen Landkreis nur noch in der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg aufzunehmen, bis sich die Situation - veranschlagt sind vorerst drei Jahre - wieder entspannt hat.

Nichts Gewachsenes

Die Empörung bei betroffenen Eltern war groß. Einerseits, weil es eigentlich nur wenige gewachsene Beziehungen zwischen Sulzbach-Rosenberg auf der einen und Hirschau sowie Schnaittenbach auf der anderen Seite gibt. Zudem werden die nicht zuletzt deshalb als schlecht kritisierten öffentliche Busverbindungen/Schulbuslinien angeprangert. Der CSU-Kreisverband und der Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) haben bereits versucht, in einer Versammlung für Mandatsträger diese Bedenken auszuräumen. Doch derweil reiften ganz andere Überlegungen.

Die beiden Stadtratsgremien in Hirschau und Schnaittenbach beschlossen, gemeinsam bei ihren Bürgern Unterschriften für eine völlig neue Realschule für diesen Bereich zu sammeln. Sie gingen es professionell und parteienübergreifend an. Die 3325 zusammengekommenen Unterschriften wurden nun am Montag aktionistisch-kreativ verpackt vor der Kreistagssitzung an den Landrat übergeben. Mit Wäscheklammern an einer Leine aufgereiht, zogen Eltern und Kinder einer Polonaise ähnlich mit den Listen durch den Sitzungssaal, und Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk (CSU) bat um eine breite lokalpolitische Unterstützung dieser Initiative.

Der Diplomat

"Wir möchten mit diesen vielen Unterschriften den Kreistag nicht einwickeln, sondern den Landkreis Amberg-Sulzbach entwickeln und dem demografischen Wandel entgegenwirken", wandte er sich an seine Mandatskollegen. Reisinger findet das durchaus löblich, gab jedoch zu verstehen, dass die richtig dicken politischen Bretter in München gebohrt werden müssten.
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